Baku

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Dieser Artikel erläutert die aserbaidschanische Hauptstadt Baku; andere Bedeutungen unter Baku (Begriffsklärung).
Baku
Bakı
Wappen
Wappen
Staat: Aserbaidschan Aserbaidschan
Koordinaten: 40° 24′ N, 49° 53′ O40.39527777777849.882222222222-28Koordinaten: 40° 23′ 43″ N, 49° 52′ 56″ O
Höhe: 28 m unter dem Meeresspiegel
Fläche: 2.130 km²
 
Einwohner: 2.064.900 (2009)
Bevölkerungsdichte: 969 Einwohner je km²
Zeitzone: AZT (UTC+4)
Telefonvorwahl: (+994) 12
Postleitzahl: AZ1000
Kfz-Kennzeichen: 10 AZ 90 AZ
 
Gliederung: 11 Stadtbezirke
Bürgermeister: Hacıbala Abutalıbov
Webpräsenz:
Karte von Aserbaidschan, Position von Baku hervorgehoben

Baku (aserbaidschanisch Bakı/ باکی; russisch Баку/Bakú) ist die Hauptstadt Aserbaidschans. Mit zwei Millionen Einwohnern in der Stadtprovinz ist Baku die bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt des Landes und des gesamten Kaukasus. Die Stadt an der Küste des Kaspischen Meeres ist Verkehrsknotenpunkt sowie Wirtschafts- und Kulturzentrum mit mehreren Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen. Durch die Lage innerhalb eines Erdölfördergebiets ist Baku der Knotenpunkt mehrerer Erdölleitungen und besitzt einen bedeutenden Erdölhafen. Baku kann aufgrund seiner günstigen Lage an mehreren historischen Handelswegen auf eine reiche Stadtgeschichte zurückblicken. In der Altstadt, die seit 2000 den Status eines UNESCO-Welterbes hat, sind zahlreiche Paläste, Moscheen und Festungsbauten erhalten geblieben.

GeographieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Baku liegt knapp unter dem Meeresspiegel, südlich auf der Abşeron-Halbinsel an der Westküste des Kaspischen Meeres. Die Stadt ist von mehreren Süßwasserseen umgeben, darunter der Boyukshorsee, der mit zehn Quadratkilometern der zweitgrößte See des Landes ist.[1] Im Westen und vereinzelt im Osten erhebt sich eine Hügellandschaft bis auf 200 m Höhe.

StadtgliederungBearbeiten

Baku ist in elf Bezirke (rayonlar; sg. rayon) und 59 Stadtgemeinden (qəsəbələr; sg. qəsəbə) eingeteilt. Dazu zählen Gemeinden auf Inseln und Inseln auf Stützen, die so genannten Ölfelsen, teilweise 100 Kilometer von Baku entfernt im Kaspischen Meer.

Bezirk Früherer Name Einwohner[2]
in Tsd.
Fläche[2]
in Tsd. km2
Bev.-Dichte[2]
pro km2
darin gelegen Weblink
Səbail 26 Бакы комиссары 92,4 0,03 3080 İçəri Şəhər, Parlament, Fernsehturm, Flame Towers, Baku Crystal Hall http://sabail-ih.gov.az
Yasamal Октјабр 236,0 0,02 11800 Staatliche Universität, Tezepir-Moschee http://yasamal-ih.gov.az
Nəsimi (Нәсими) 211,5 0,01 21150 Staatliche Ölakademie http://nasimi-ih.gov.az
Nərimanov (Нәриманов) 165,2 0,03 5507 http://narimanov-ih.gov.az
Nizami Шаумјан (Низами 1981) 182,0 0,02 9100 Khazar Universität, Şəfa-Stadion http://nizami-ih.gov.az
Xətai Шаумјан 252,1 0,03 8403 Museum für moderne Kunst http://khatai-ih.gov.az
Qaradağ (Гарадағ) 110,4 1,08 102 Qobustan-Nationalpark (teilw.) http://qaradagh.gov.az
Binəqədi Киров 244,0 0,17 1435 Tofiq-Bəhramov-Stadion http://binegedi-ih.gov.az
Sabunçu Ленин 225,3 0,24 939 Burg Nardaran, Burg von Ramana http://sabunchu-ih.gov.az
Suraxanı Орҹоникидзе 201,3 0,10 2013 Feuertempel http://surakhani-ih.gov.az
Xəzər Әзизбәјов 172,2 0,40 431 Flughafen, Runde Burg Mərdəkan, Viereckige Burg Mərdəkan http://xazar-ih.gov.az

KlimaBearbeiten

In Baku herrscht ein gemäßigtes Steppenklima (nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen und Geiger: BSk).[3]

Im Allgemein ist das Klima sonnig und trocken mit gelegentlich aufkommenden orkanartigen Winden und niedrigen, unregelmäßigen Niederschlägen.

Im Winter ist zwar Nachtfrost häufig, aber Eistage mit einer Tageshöchsttemperatur unter 0 °C und auch Schnee sind relativ selten. Die Schneedecke hält sich nur für einige Tage pro Jahr.

Im Sommer – besonders in den Monaten Juli und August – sind Temperaturen über 35 °C häufig. Die trockene Luft und die Winde vom Kaspischen Meer mildern die Temperaturen. Regen ist im Sommer kaum zu erwarten.

Die Temperatur beträgt im Jahresdurchschnitt 15,1 °C, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 210 mm.

Baku
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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30
 
14
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10
5
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO, www.wetter.com
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Baku
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 6,6 6,3 9,8 16,4 22,1 27,3 30,6 29,7 25,6 19,6 13,5 9,7 Ø 18,2
Min. Temperatur (°C) 2,1 2,0 4,2 9,4 14,9 19,7 22,2 22,9 19,4 13,6 8,8 4,8 Ø 12,1
Niederschlag (mm) 21 20 21 18 18 8 2 6 15 25 30 26 Σ 210
Sonnenstunden (h/d) 2,9 3,1 4,0 6,5 8,3 9,8 10,1 9,1 7,4 4,6 3,1 3,3 Ø 6
Regentage (d) 6 6 5 4 3 2 1 2 2 6 6 6 Σ 49
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
6,6
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6,3
2,0
9,8
4,2
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22,1
14,9
27,3
19,7
30,6
22,2
29,7
22,9
25,6
19,4
19,6
13,6
13,5
8,8
9,7
4,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

BevölkerungBearbeiten

Moschee in der Bakuer Altstadt

Die Bevölkerungszahl der Stadt Baku betrug 2.064.900 (Volkszählung 2009).[4] Die Bevölkerungsdichte lag bei 969 Einwohner pro Quadratkilometer (Stand 2009).[4]

Jahr Aserbaidschaner  % Russen  % Armenier  % Juden  % Andere  % Gesamt
1886[5] 37.530 43,3 21.390 24,7 24.490 28,3 391 0,5 2.810 3,2 86.611
1897[6] 40.341 36 37.399 33,4 19.099 17,1 3.369 3 11.696 10,5 111.904
1926[7] 118.737 26,2 167.373 36,9 76.656 16,9 19.589 4,3 70.978 15,7 453.333
1939[8] 215.482 27,4 343.064 43,6 118.650 15,1 31.050 3,9 79.377 10,1 787.623
1959[9] 211.372 32,9 223.242 34,7 137.111 21,3 24.057 3,7 56.725 8,7 652.507
1970[10] 586.052 46,3 351.090 27,7 207.464 16,4 29.716 2,3 88.193 6,9 1.262.515
1979[11] 530.556 52,4 229.873 22,7 167.226 16,5 22.916 2,3 62.865 6,2 1.013.436
1999[12] 1.574.252 88 119.371 6,7 378 0,02 5.164 0,3 89.689 5 1.788.854
2009[4] 1.848.107 90,3 108.525 5,3 104 0 6.056 0,6 83.023 4,1 2.045.815
Nizami-Straße im Zentrum
Wohnstraße in Baku

NameBearbeiten

Es gibt verschiedene Theorien über die Herkunft des Namens Baku, die populärste ist die Ableitung von persisch bādkūb (windig; persisch „bād“ = Wind, „kūb“ = schlagend), was so viel wie „Stadt der Winde“ bedeutet.

GeschichteBearbeiten

Archäologen datierten erste Funde einer Siedlung auf das Jahr 8000 vor Christus. Seit Jahrtausenden sprudelten in der Region von Baku natürliche Ölquellen, mit denen bereits die Zoroastrier ihre Tempel beleuchteten.

Im 12. Jahrhundert machte einer der damaligen Lokalherrscher, der Schirwanschah Ahistan I., Baku zu seiner Hauptstadt, nachdem die alte Hauptstadt Shamakha von einem Erdbeben zerstört wurde. Marco Polo beschrieb Baku als einen der wichtigsten Stützpunkte des Handels auf der Seidenstraße.

Nach dem enormen Ölboom zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Süden der Altstadt die Gründerzeitstadt errichtet. In der Zeit von 1856 bis 1910 wuchs Bakus Bevölkerung schneller als die von London, Paris oder New York. Die einheimischen Aserbaidschaner sahen sich zahlenmäßig bald als Minderheit gegenüber Russen, Georgiern, Juden, Ukrainern und anderen Zuwandern. 1873 wurde die erste Ölquelle angebohrt; in diesem Jahr kam Robert Nobel nach Baku. Der ältere Bruder von Ludvig und Alfred Nobel gründete in Baku die Ölgesellschaft Nobel Brothers Petroleum Producing Company. Die Firma wurde in wenigen Jahren das führende Unternehmen auf dem Weltmarkt. Bis 1901 lieferte Baku die Hälfte des weltweit benötigten Erdöls. Die Ölkönige von Baku ließen sich neugotische und Jugendstilpaläste von westeuropäischen Architekten erbauen.

Von 1898 bis 1902 war der in Aserbaidschan geborene deutsche Ingenieur Nikolaus von der Nonne Oberbürgermeister von Baku. Zur Bekräftigung der russischen Herrschaft entstand 1888-1898 die monumentale Alexander-Newski-Kathedrale, die während der Phase des militanten Atheismus unter Stalin 1935 abgerissen wurde.

Der Ölboom endete nach der russischen Revolution 1917. Wütende Arbeiter randalierten in Baku. Nach dem Sieg der Bolschewiki wurden die Ölkönige enteignet, die Nobels mussten Aserbaidschan verlassen. In den Millionärsanwesen sind heute vor allem Kunst-, Geschichts- und Literaturmuseen untergebracht. Manche befinden sich aber auch in Privatbesitz und sind auch an Ausländer vermietet. Andere haben in den Zeiten des Umsturzes 1992/1993 den Besitzer gewechselt und bieten Verwandten der herrschenden Əliyev-Familie ein angenehmes Leben.

Panorama von Baku
Straße des 28. Mai

Baku wurde im September 1918 zur Hauptstadt der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik. Der Regierungssitz befand sich bis zum 28. April 1920 in Baku. Am 27. April 1920 marschierten die bolschewistischen Truppen in die aserbaidschanische Hauptstadt ein und unterwarfen das Land. Hauptziel der Sowjetunion unter Lenin war auch hier, direkt an die Erdölvorräte zu kommen. Die nationale Regierung begab sich ins Exil, zuerst nach Polen und Deutschland, später in die Türkei. Baku wurde Hauptstadt der Aserbaidschanischen SSR. Als 1943/44 die Anzahl der Mufti-Ämter in der Sowjetunion auf vier erhöht wurde, kam eines dieser Ämter nach Baku. Im Gegensatz zu den anderen Mufti-Ämtern in Ufa, Buinaksk und Taschkent, die für die sunnitischen Muslime zuständig waren, wurde demjenigen von Baku die Zuständigkeit für die schiitischen Muslime gegeben.[13] In den Bakuer Arbeiterzeitungen wurde jedoch der Islam in dieser Zeit entsprechend der Ideologie des wissenschaftlichen Atheismus als eine reaktionäre und rückständige Religion gebrandmarkt.[14]

Mit der Auflösung der UdSSR wurde Aserbaidschan 1991 unabhängig. Einige Monate vor der Unabhängigkeitserklärung kam es in Baku zu einem Pogrom an dort lebenden Armeniern (siehe Pogrom in Baku), das eine Fluchtwelle nationaler Minderheiten auslöste.[15][16] In den frühen 1990er Jahren wurde Baku zu einem intellektuellen Zentrum des islamischen Aktivismus. 1992 wurde die historische Freitagsmoschee in der Altstadt der schiitischen Gemeinde der Stadt übergeben, die diese restaurierte. Mit der finanziellen Unterstützung der kuwaitischen Organisation Ihyāʾ at-Turāth al-Islāmī wurde 1997 im Nərimanov-Distrikt die sunnitische Abu-Bakr-Moschee errichtet. Hier befindet sich seither die größte sunnitische Gemeinde in Baku.[17]

Im November 2000 traf ein Erdbeben mit der Stärke 6,7 auf der Richterskala die Stadt und beschädigte auch die Baudenkmäler der Altstadt. 2003 setzte deshalb das Welterbekomitee diese auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Diese Eintragung wird seitdem dadurch gefährdet, dass die Regierung keinen ausreichenden Plan zum Schutz der Altstadt vor unkontrollierten Bautätigkeiten vorlegen kann. Die Bauspekulation, selbst auf historisch wertvollen Grundstücken, hat sich auch der Altstadt bemächtigt, zum Beispiel mit dem Bau von hochpreisigen, oft hoch aufragenden Wohn- und Bürokomplexen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Historische Altstadt

Baku besteht architektonisch aus drei Stadtteilen:

Eine weitere bauepochale Schicht ist die postsowjetische Überbauung seit etwa 1994, die das bisher eher flache bis mittelhohe Stadtbild mit markanten Bauten, vor allem Türmen, Hochhäusern und monumentalen Landschaftsgestaltungen, z.B. Ausbau der Küstenpromenade mit riesigen öffentlichen Versammlungsstätten stark verändert hat. Dieser Vorgang ist weiter im Gange, Baku soll nach Vorstellung der herrschenden Əliyev-Familie ihre bereits herausragende Stellung in der Kaukasusregion ausbauen.

Die Altstadt liegt im Zentrum Bakus und ist gleichzeitig eine Festung. Im Jahr 2000 wurde das Viertel innerhalb der Festungsmauern zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Die meisten Mauern und Türme, die nach der russischen Eroberung 1806 verstärkt wurden, stehen seit persischer Zeit. Das Viertel mit einem Labyrinth aus engen Straßen und alten Häusern ist pittoresk. Weltberühmt sind der Palast der Khane von Schirwan, die Karawansereien, der Jungfrauenturm aus dem 11. Jahrhundert, die Bäder und die Lezgi Miski (Lesgische Moschee) ebenfalls aus dem 11. Jahrhundert. Die Altstadt hat dutzende kleiner Moscheen, oft ohne ein Zeichen, das sie von anderen Gebäuden unterscheidet.

BauwerkeBearbeiten

Das moderne Baku mit dem Fernsehturm Azeri
Park in Baku
Russisch-orthodoxe Kirche in Baku
Evangelisch-lutherische Kirche "Erlöser" in Baku

Die Altstadt wird von einem Festungsring umgeben, in dem zahlreiche historische Bauwerke erhalten geblieben sind. Ein markantes Bauwerk der Stadtbefestigung ist die Burg Dschebachan aus dem 14. Jahrhundert, die seit dem 20. Jahrhundert freigelegt und erforscht wird. In der südlichen Altstadt liegt der Palast der Schirwanschahs, ein Gebäudeensemble mit Wohnpalast, Mausoleum, dem so genannten Jungfrauenturm (siehe Qız Qalası), die Schah-Moschee, das Murad-Tor, die Key-Gubad-Moschee, Versammlungshaus und Badehaus.

Zu den zahlreichen islamischen, christlichen und jüdischen Sakralbauten Bakus gehört die Mohammed-Moschee aus dem 11. Jahrhundert, der ehemalige Feuertempel Ateschgah, die Tezepir-Moschee, die russisch-orthodoxe Kathedrale, die Bibi-Heybat-Moschee an der Südgrenze der Stadt oder die 1899 erbaute Erlöserkirche und die Kirche Gregor des Erleuchters aus dem Jahre 1887. Außerhalb der Altstadt wird die Stadtsilhouette von Wohn- und Geschäftshochhäusern wie den Flame Towers und dem 310 m hohen Fernsehturm Azeri dominiert. Parallel zur Meeresküste verläuft der Baku Bulvar, der als Parkanlage ausgestaltet wurde und dessen Ursprünge bis in das 19. Jahrhundert reichen. Ebenfalls hervorzuheben ist die Nizami-Straße, eine bedeutende Einkaufsstraße im Stadtzentrum.

MuseenBearbeiten

Das größte Kunstmuseum Aserbaidschans ist das Rustam Mustafayev Staatsmuseum der Künste in Baku. Seit seiner Gründung im Jahr 1936 werden über 3000 Exponate in 60 Räumen gezeigt, die sich auf zwei Gebäude verteilen. Schwerpunkte der Sammlung liegen bei aserbaidschanischer, russischer und europäischer Kunst, ferner bei persischen, türkischen, chinesischen und japanischen Künstlern.

Weitere erwähnenswerte Museen sind das Museum für angewandte Kunst, das Museum für moderne Kunst und das Nizami-Museum für aserbaidschanische Literatur. In der Hügellandschaft südlich der Altstadt liegt der Märtyrerfriedhof. Er ist dem Andenken jener gewidmet, die ihr Leben im Krieg mit Armenien verloren haben, aber auch jener 137 Menschen, die am 19. und 20. Januar 1990 getötet wurden, als sowjetische Panzer die Straßen von Baku einnahmen.

Theater, Musik und NachtlebenBearbeiten

Bakus Kleinkunstbühnen, Musik- und Schauspieltheater bieten ein großes Repertoire an internationalen und nationalen Bühnenstücken und Aufführungen. Das Staatliche Akademische Theater für Oper und Ballett (Axundov adına Azərbaycan Dövlət Akademik Opera və Balet Teatrı) zeigt Opern, Operetten und Balletts. Das renommierte Theaterhaus wurde von dem armenischen Architekten Nikolai Bayev entworfen und 1911 eröffnet. Die Staatliche Philharmonie (Maqomayev adına Azərbaycan Dövlət Filarmoniyası) ist die wichtigste Konzerthalle Aserbaidschans und gilt wegen ihrer ausgezeichneten Akustik als vorbildlich. Gebaut wurde sie von 1910–1912 als Clubhaus im Stil der italienischen Renaissance, nach 1936 begann der Umbau zu einem Konzerthaus. Heute ist sie die Heimspielstätte von sieben Orchestern und Chören, darunter das Staatliche Aserbaidschanische Sinfonieorchester.[18] Eine große Veranstaltungshalle ist außerdem der Heydar-Aliyev-Palast, in dem regelmäßig Konzerte stattfinden.

Baku war der Austragungsort für den Eurovision Song Contest 2012, da Aserbaidschan beim Eurovision Song Contest 2011 siegen konnte.

Baku ist für sein pulsierendes Nachtleben bekannt. In einem Ranking des Reiseführers Lonely Planet kam Baku in die Top 10 der weltweit besten Ziele für städtisches Nachtleben. Zahlreiche Clubs, Bars, Restaurants und Cafés konzentrieren sich um den Fontain Square.

VerkehrBearbeiten

Station der Metro Baku

Baku ist mit dem Heydar Aliyev International Airport ein regionales Drehkreuz des internationalen Luftverkehrs. Der Flughafen ist über eine Schnellstraße mit dem 25 km westlich liegenden Stadtzentrum verbunden. Es ist der Heimatflughafen der Azerbaijan Airlines, außerdem wird er unter anderem von Austrian Airlines, British Airways, Lufthansa und Turkish Airlines bedient.

Nahezu alle wichtigen Autobahnen und Schnellstraßen in Aserbaidschan führen auf Baku zu und münden in die Izmirstraße im Westen der Stadt: M1 von Westen, M2 von Norden und M3 von Süden. Über das Kaspische Meer fahren Fähren nach Turkmenistan und in den Iran. Regionale und überregionale Bahnverbindungen der staatlichen Eisenbahngesellschaft Azərbaycan Dövlət Dəmir Yolu bestehen vom Hauptbahnhof Baku nördlich der Altstadt aus. Im Oktober 2007 begann der Bau der Bahnstrecke Kars–Achalkalaki–Tiflis–Baku, die Aserbaidschan nach Fertigstellung an das europäische Eisenbahnnetz unter Umgehung Russlands anschließen wird.

Der öffentliche Personennahverkehr stützt sich auf eine U-Bahn und Stadtbusse. Die Metro Baku ist 1967 eröffnet worden und umfasst ein Betriebsnetz von 23 Stationen auf zwei Linien mit einer Gesamtlänge von 34,6 Kilometern. Einige U-Bahnhöfe sind opulent gestaltet, etwa mit Mosaiken. Die Metro Baku befördert pro Tag etwa 1,8 Millionen Passagiere.

WirtschaftBearbeiten

Ölförderung in Baku

Die Grundlage der Wirtschaft von Baku ist das Erdöl. Die Existenz des Erdöls ist seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Im 15. Jahrhundert wurde das Öl, das an die Oberfläche trat, für Lampen verwendet. Bereits 1848 fand in Baku die erste Ölbohrung der Welt statt. Die wirtschaftliche Ausbeutung des Erdöls begann 1872 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Ölfelder von Baku die größten der Welt. Sie erbrachten damals die Hälfte der Welterdölproduktion. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren die Ölreserven an Land jedoch erschöpft und die Bohrungen wurden in das Kaspische Meer ausgedehnt. Am 25. Mai 2006 wurde die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline in Betrieb genommen, mit 1.760 Kilometern Länge die längste und technisch aufwändigste Pipeline der Welt. Nach den Plänen des amerikanischen Kaspischen Pipeline-Konsortiums CPC sollten außerdem zwei weitere Ölpipelines von Baku nach Supsa sowie nach Noworossijsk gebaut werden, um u.a. das Tengis-Ölfeld im nordwestlichen Kasachstan mit dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk zu verbinden.

Baku ist eines der bedeutendsten Zentren für die Produktion von Ausrüstungen für die Ölindustrie. Im Zweiten Weltkrieg ging es bei der Schlacht um Stalingrad unter anderem auch um die Kontrolle über die Ölfelder von Baku.

SportBearbeiten

Baku ist das wichtigste sportliche Zentrum Aserbaidschans. Derzeit sechs der zwölf Mannschaften der ersten aserbaidschanischen Fußballliga stammen aus Baku, darunter der FK Baku, der FK İnter Baku, AZAL PFK Baku, FK Ravan Baku, der Exilclub FK Qarabağ Ağdam und Neftçi Baku PFK. Neftçi Baku ist dabei einer der ältesten und der erfolgreichste Verein des Landes. Mit acht Meistertiteln in der aserbaidschanischen Liga ist Neftçi Baku PFK nicht nur Rekordmeister, sondern verbrachte bereits zur Zeit der Sowjetunion 27 Spielzeiten in der höchsten sowjetischen Liga. Seine Heimspiele trägt er im knapp 30.000 Zuschauer fassenden Tofiq-Bəhramov-Stadion aus.

Darüber hinaus ist Baku ein wichtiges Zentrum für den Ring- und Boxsport. Die Ringer-Weltmeisterschaften 2007, die Ringer-Europameisterschaften 2010 und die Boxweltmeisterschaften 2011 fanden in Baku statt. Seit 2011 wird in Baku auch das WTA Baku Tennisturnier ausgetragen.

Wissenschaft und BildungBearbeiten

Als einer der bedeutenden Bildungs- und Wissenschaftszentren der Kaukasus-Region beherbergt Baku zahlreiche Universitäten, Hochschulen, Berufsschulen und Institute. Die Staatliche Universität Baku wurde dabei 1919 als erste Hochschule gegründet. Weitere Hochschulen sind die Technische Universität Baku, die Aserbaidschanische Staatliche Ölakademie, die Musikhochschule, die Slawische Universität Baku, die private Khazar Universität, die Medizinische Universität Baku, die Architektur- und Bauuniversität sowie mehrere weitere, öffentliche und private Universitäten und Akademien. Militärische Hochschulen sind die Aserbaidschanische Offiziershochschule – Geidar Alijew und die Aserbaidschanische Offiziershochschule der Seestreitkräfte, die aus der ehemaligen Kaspischen Rotbanner-Offiziershochschule der Seestreitkräfte S. M. Kirow hervorgegangen ist. Baku ist außerdem Sitz der Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans, die 1945 gegründet wurde.

PartnerstädteBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Nazim Achundov: Azerbaycanda dövri metbuat (1832–1920) (Aserbaidschanisch: Periodika in Aserbaidschan 1832–1920). Bibliographie. Baku 1965.
  • Cəmil Həsənov: Azərbaycan beynəlxalq münasibətlər sistemində 1918-1920-ci illər (Aserbaidschanisch: Aserbaidschan im System der internationalen Beziehungen 1918–1920). Baku 1993.
  • La première république musulmane. l’Azerbeidjan. Paris 1919.
  • La République de l’Azerbeidjan du Caucase. Paris 1919.
  • Hilal Munschi: Die Republik Aserbaidschan. Eine geschichtliche und politische Skizze. Berlin 1930.
  • Raxman Mustafazade: Dve respubliki. Azerbaijano-rossijskie otnoshenija 1918–1920 gg. (Russisch: Zwei Republiken. Aserbaidschanisch-russische Beziehungen 1918–1920). Moskau 2006.
  • Nesib Nesibzade: Azerbaycan demokratik respublikasi. Meqaleler ve senedler (Aserbaidschanisch: Aserbaidschanische Demokratische Republik. Artikel und Dokumente). Baku 1990.
  • Ingo Petz: Kuckucksuhren in Baku. Reise in ein Land, das es wirklich gibt. München 2006. ISBN 3-426-27390-X
  • A. Sanders (Nikuradse???): Kaukasien. Nordkaukasien, Aserbaidschan, Armenien, Georgien. Geschichtlicher Umriss. München 1944.
  • F. Schrader: Am Feuertempel. In: Magdeburgische Zeitung, Montagsblatt (Wissenschaftliche Beilage) Nr. 19, 1908.
  • Serpil Sürmeli: Türk-Gürcü iliskileri (1918–1921) (Türkisch-Georgische Beziehungen). Ankara 2001.
  • Tadeusz Swietochowski: Russian Azerbaijan, 1905–1920. The Shaping of National Identity in a muslim community. Cambridge University Press, Cambridge 1985. ISBN 0-521-26310-7
  • Robert W. Tolf: The Russian Rockefellers. The Saga of the Nobel Family and the Russian Oil Industry. Stanford 1976.
  • Horst-Günter Wagner: Erdöl und Erdgas in der Kaukasus-Kaspi-Region. In: Geographische Rundschau. Braunschweig 49.1997, S.355–361. ISSN 0016-7460
  • Rizvan Zeynalov: Voennoe strotel’stvo v Azerbaijanskoi respublike 1920-ijun’ 1941 g. (Russisch: Aufbau des Militärwesens in der Republik Aserbaidschan 1920-bis Juni 1941). Baku 1990.
  • Werner Zürrer: Kaukasien 1918–1921. Der Kampf der Großmächte um die Landbrücke zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Düsseldorf 1978. ISBN 3-7700-0515-5
  • Ausgerechnet Baku. Warum?, Themenheft der Bauwelt 36/2009 (=Stadt Bauwelt 183), Berlin 25. September 2009/100. Jahrgang, S. 20-74
  • Baku - Stadt der schlagenden Winde, Dokumentation der städtebaulichen Realität Bakus Ende 2008; 61 Fotografien von Sebastian Burger (Hrsg.) und ein Essay zur jüngeren Geschichte der Stadt der Architektin Oriana Kraemer, Bremen, Dezember 2010 ISBN 978-3-00-032767-4

WeblinksBearbeiten

 Commons: Baku – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Baku – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.zerbaijan.com/azeri/azerbaijan4.htm
  2. a b c http://www.azstat.org/statinfo/demoqraphic/en/1_16en.xls (Stand: 2011)
  3. World Map of Köppen−Geiger Climate Classification (PDF; 1,6 MB) Abgerufen am 7. Oktober 2011.
  4. a b c State Statistical Committee of the Azerbaijan Republic, Ethnic composition of Azerbaijan 2009
  5. Свод статистических данных о населении Закавказского края, извлечённых из посемейных списков 1886 года, г. Тифлис, 1893
  6. Первая всеобщая перепись населения Российской Империи 1897 г. – г. Баку
  7. Всесоюзная перепись населения 1926 года, т. 14, Закавказская СФСР, г. Москва, 1929
  8. Soviet 1939 census
  9. Soviet 1959 census
  10. Soviet 1970 census
  11. Soviet 1979 census
  12. State Statistical Committee of the Azerbaijan Republic, Ethnic composition of Azerbaijan 1999
  13. Vgl. Y. Ro'i: Islam in Soviet Union: From the Second World War to Gorbachev. London 2000. S. 11-55.
  14. Vgl. Rufat Sattarov: "Islamic revival and Islamic activism in post-Soviet Azerbaijan" in Galina Yemelianova (ed.): Radical Islam in the Former Soviet Union. London 2011. S. 146-210. Hier S. 154f.
  15. BBC News: 1990: Gorbachev explains crackdown in Azerbaijan, 22. Januar 1990
  16. New York Times: Evolution in Europe; Russians Denied Refuge in Own Land, 24. April 1990
  17. Vgl. Sattarov 185-189.
  18. http://www.azer.com/aiweb/categories/magazine/ai122_folder/122_articles/122_tour_philharmonic_hall.html







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