Deutsches Historisches Institut Rom
| Deutsches Historisches Institut in Rom | |
|---|---|
| Gründung | 1888 |
| Ort | Rom |
| Bundesland | Latium |
| Staat | Italien |
| Direktor | Martin Baumeister |
| Mitarbeiter | 53 |
| Website | www.dhi-roma.it |
Das 1888 gegründete Deutsche Historische Institut in Rom (Istituto Storico Germanico di Roma) ist das älteste der historischen Auslandsinstitute Deutschlands. Es dient der Erforschung der italienischen und deutschen Geschichte, insbesondere der deutsch-italienischen Beziehungen im internationalen Kontext vom frühen Mittelalter bis zur jüngsten Vergangenheit.
Inhaltsverzeichnis |
Institut Bearbeiten
Das Deutsche Historische Institut (DHI) in Rom wurde nach der Öffnung der Vatikanischen Archive im Jahre 1888 als „Preußische Historische Station“ gegründet. Es betreibt historische Grundlagenforschung, fördert wissenschaftlichen Nachwuchs und versteht sich als Serviceeinrichtung. So unterstützt das DHI deutsche Wissenschaftler und Institutionen bei ihren Forschungen und fördert die Zusammenarbeit von deutschen, italienischen und internationalen Historikern.
1960 wurde das Institut um eine musikhistorische Abteilung erweitert, deren Arbeitsgebiet die Beziehungen zwischen deutscher und italienischer Musik, ihre historischen Voraussetzungen und ihre Auswirkungen auf Europa ist.
Die Gäste, Stipendiaten und wissenschaftlichen Mitglieder des Instituts arbeiten traditionell im Vatikanischen Archiv, der Vatikanischen Bibliothek, aber seit den 1960er Jahren vermehrt auch in den übrigen kirchlichen und insbesondere staatlichen Archiven und Bibliotheken in Rom. Dem Direktor steht ein wissenschaftlicher Beirat zur Seite.
Das DHI in Rom wurde gemeinsam mit weiteren wissenschaftlichen Auslandsinstituten der Bundesrepublik Deutschland 2002 der neu gegründeten Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland mit Sitz in Bonn unterstellt.
Projekte Bearbeiten
Das Institut veranstaltet regelmäßig wissenschaftliche Tagungen, Kolloquien und Vorträge zu Themen der italienischen Geschichte und Musikgeschichte sowie den deutsch-italienischen Beziehungen. Es vergibt Stipendien zur Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte im Bereich Geschichte und Musikgeschichte. Die Stipendien werden je nach Forschungsvorhaben für einen Zeitraum von mehreren Monaten vergeben und richten sich vor allem an Doktoranden. Eine einjährige Gastdozentur richtet sich an habilitierte Wissenschaftler/innen aus Deutschland. Jedes Jahr werden vom DHI mehrere sechswöchige Praktika an fortgeschrittene Studierende der Geschichte und Musikgeschichte vergeben, deren Studien auf das Gebiet der deutsch-italienischen Beziehungen oder der italienischen Geschichte ausgerichtet sind. Jährlich wird für fortgeschrittene Studenten und Doktoranden des Fachs Geschichte ein zehntägiger Studienkurs durchgeführt. Dieser so genannte Romkurs vermittelt anhand ausgewählter Themen Einblick in Geschichte und Monumente Roms.
Publikationen Bearbeiten
Das DHI in Rom gibt seit 1892 eine Reihe von Veröffentlichungen heraus, die das Forschungsspektrum des Hauses widerspiegeln. Hierzu zählen unter anderem:
Editionen und Regesten Bearbeiten
- Repertorium Germanicum
Das Repertorium Germanicum ist eine Regestensammlung, mit der seit 1897 mit dem Ziel der Vollständigkeit alle "deutschen" Betreffe aus den vatikanischen Registerserien und Kameralbeständen vom Großen Schisma bis zur Reformation (1378–1517) erfasst werden.
- Repertorium Poenitentiariae Germanicum
Neben dem Repertorium Germanicum wird mit dieser Quellenedition (seit 1998) der Forschung ein weiteres wichtiges Quellenwerk aus dem Vatikanischen Archiv für die deutsche Geschichte des Spätmittelalters bereitgestellt. Alle Bände enthalten Regesten aus den Supplikenregistern der päpstlichen Pönitentiarie nebst diversen Indices.
- Nuntiaturberichte aus Deutschland
Die Nuntiaturberichte stellen eine bedeutende Quellensammlung zur Geschichte der päpstlichen Diplomatie im 16. und 17. Jahrhundert dar (seit 1892).
- Instructiones Pontificum Romanorum
Hierbei handelt es sich um eine Quellensammlung der Instruktionen für die päpstlichen Nuntien und Legaten an den europäischen Fürstenhöfen (seit 1984).
- Concentus musicus
In der musikalischen Denkmälerausgabe der Musikgeschichtlichen Abteilung erscheinen bedeutende Werke der italienischen Musik, besonders aus der Zeit zwischen 1600 und 1900 (seit 1973).
Monographien und Aufsatzbände Bearbeiten
- Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom
In dieser Reihe erscheinen wissenschaftliche Monographien und Aufsatzbände zur italienischen und deutschen Geschichte vom frühen Mittelalter bis zur Zeitgeschichte (seit 1905).
- Ricerche dell’Istituto Storico Germanico di Roma
Um die Forschungsarbeiten des Instituts auch einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit in Italien bekanntzumachen, wurde 2005 diese Reihe für Editionen und Studien in italienischer Sprache gegründet.
- Analecta musicologia
In der Schriftenreihe der Musikgeschichtlichen Abteilung erscheinen Aufsatzsammlungen, Akten der von der Abteilung organisierten Kongresse sowie Monografien (seit 1963).
Zeitschriften Bearbeiten
Die Zeitschrift des Instituts behandelt Themen zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Italien und zur italienischen Geschichte vom Frühmittelalter bis zur Zeitgeschichte. Sie enthält weiter den Jahresbericht des Direktors, Berichte zu Tagungen des Instituts und einen großen Rezensionsteil (seit 1898).
- Bibliographische Informationen zur neuesten Geschichte Italiens
Die Zeitschrift erscheint drei Mal jährlich in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für die neueste Geschichte Italiens. Seit 1974 sind hier über 60.000 geschichtswissenschaftliche Neuerscheinungen vorgestellt worden.
- Storia e Critica
- Die italienische Zeitgeschichte im Spiegel der Tages- und Wochenpresse
Pressespiegel, erschienen von 1979 bis 1999.
Bibliothek und Archiv Bearbeiten
Das DHI in Rom verfügt über eine historische und eine musikhistorische Bibliothek. Die Historische Bibliothek ist vorwiegend auf die Geschichte Italiens und Deutschlands sowie die deutsch-italienischen Beziehungen spezialisiert. Sie verfügt über ca. 171.000 Bände und 667 Zeitschriften (Stand 2012). Die Bibliothek der musikgeschichtlichen Abteilung verfügt über ca. 57.000 Medieneinheiten, wozu Bücher, Noten und Tonträger zählen, und 440 Zeitschriften. Als Sonderbestand besitzt sie mehr als 1.500 seltene Libretti (Stand 2012). Das Archiv sichert das Schriftgut des Instituts und seiner Vorgängerinstitutionen von 1888 bis in die Gegenwart. Die EDV-Kataloge der beiden Bibliotheken, die zunehmend auch die älteren Bestände umfassen, sind online verfügbar. Ebenfalls online zugänglich sind die Bestandsübersicht und die Findbücher des Archivs des DHI in Rom.
Direktoren Bearbeiten
- 1888–1890: Konrad Schottmüller
- 1890–1892: Ludwig Quidde
- 1892–1901: Walter Friedensburg
- 1901–1903: Aloys Schulte
- 1903–1936: Paul Fridolin Kehr
- 1936–1937: Wilhelm Engel
- 1937–1942: Edmund E. Stengel
- 1942–1945: Theodor Mayer
- 1953–1961: Walther Holtzmann
- 1962–1972: Gerd Tellenbach
- 1972–1988: Reinhard Elze
- 1988–2001: Arnold Esch
- 2002–2012: Michael Matheus
- seit 2012: Martin Baumeister
Literatur Bearbeiten
- Lothar Burchardt: Das Deutsche Historische Institut in Rom. In: Geschichte und Gesellschaft. Jg. 12, 1986, S. 420–422.
- Reinhard Elze, Arnold Esch (Hrsg.): Das Deutsche Historische Institut in Rom. 1888–1988 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 70). Niemeyer, Tübingen 1990, ISBN 3-484-82070-5.
- Arnold Esch: Die Gründung deutscher Institute in Italien 1870–1914. Ansätze zu einer Institutionalisierung geisteswissenschaftlicher Forschung im Ausland. In: Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. 1997, ISSN 0373-9767, S. 159–188.
- Arnold Esch: Die Lage der deutschen wissenschaftlichen Institute nach dem Ersten Weltkrieg und die Kontroverse über ihre Organisation. Paul Kehrs „Römische Mission" 1919/1920. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Bd. 72, 1992, ISSN 0079-9068, S. 314–373.
- Arnold Esch: L'Istituto Storico Germanico e le ricerche sull'età sveva in Italia. In: Bullettino dell'Istituto Storico Italiano per il Medio Evo. Bd. 96, 1990, ISSN 1127-6096, S. 11–17.
- Michael Matheus, Die Wiedereröffnung des Deutschen Historischen Instituts 1953 in Rom. Transalpine Akteure zwischen Unione und Nation. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.): Die Rückkehr der deutschen Geschichtswissenschaft in die „Ökumene der Historiker“. Ein wissenschaftsgeschichtlicher Ansatz (= Pariser historische Studien. Bd. 89). Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58795-1, S. 91–113.
- Michael Matheus (Hrsg.): Deutsche Forschungs- und Kulturinstitute in Rom in der Nachkriegszeit (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 112). Niemeyer, Tübingen 2007, ISBN 978-3-484-82112-5.
- Michèle Schubert: Auseinandersetzung über Aufgaben und Gestalt des Preußischen historischen Instituts in den Jahren 1900–1903. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Bd. 76, 1996, S. 383–454.
Weblinks Bearbeiten
- DHI in Rom
- Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland
- Online-Publikationen des Deutschen Historischen Instituts in Rom - Pubblicazioni online dell´Istituto Storico Germanico di Roma
Deutsches Historisches Institut Rom | Deutsches Historisches Institut Paris | Deutsches Historisches Institut London | Deutsches Historisches Institut Washington | Deutsches Historisches Institut Warschau | Deutsches Historisches Institut Moskau
Orient-Institut Beirut | Orient-Institut Istanbul | Deutsches Institut für Japanstudien | Nepal-Forschungszentrum | Deutsches Forum für Kunstgeschichte
Academia Belgica | Académie de France à Rome | Accademia di Romania in Roma | American Academy in Rome | Bibliotheca Hertziana | British School at Rome | Canadian Academic Centre in Italy | Český historický ústav v Římě | Danske Institut for Videnskab og Kunst i Rom | Deutsches Archäologisches Institut Rom | Deutsches Historisches Institut Rom | École française de Rome | Escuela Española de Historia y Arquelogía en Roma | Historische Institut beim Österreichischen Kulturinstitut in Rom | Institutum Romanum Finlandiae | Istituto Storico "Fraknói" presso l'Accademia d'Ungheria in Roma | Istituto Svizzero di Roma | Nederlands Instituut te Rome | Norske Institutt i Roma for Kunsthistorie og Klassik Arkeologi | Polska Akademia Nauk Stacja Naukowa w Rzymie | Pontificia Accademia Romana di Archeologia | Pontificio Istituto di Archeologia Cristiana | Römisches Institut der Görres-Gesellschaft | Svenska Institutet i Rom











