Matura

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Matura (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Matura oder Maturität (lat. maturitas ‚die Reife‘) ist die Reifeprüfung einer höheren Schulausbildung. Zugleich bezeichnet sie den damit erworbenen Schulabschluss.

Verwendet wird die Bezeichnung Matura/Maturität in Österreich, Liechtenstein, der Deutschschweiz (dort auch Matur, Maturitätsprüfung, in den anderen Sprachen mit demselben Wortstamm analog) und Südtirol (dort auch Reifeprüfung, staatliche Abschlussprüfung). Entsprechungen in anderen Sprachen gibt es in Italien (maturità), Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Polen. In Deutschland spricht man vom Abitur (im Sinne von: die Schule mit dem Reifezeugnis verlassen).

Mit dem Maturazeugnis (oder Maturitätszeugnis) besitzt der Maturant (in Österreich) bzw. Maturand (so die in der Deutschschweiz übliche Bezeichnung) die Hochschulreife und damit die Berechtigung für ein Studium an einer Universität oder sonstigen Hochschule.

Mit der Berufsmaturität in der Schweiz und Liechtenstein (auch: Berufsmatura, Berufsreifeprüfung) ist die Zugangsberechtigung eingeschränkt auf ein facheinschlägiges Studium an einer Fachhochschule, in Österreich hingegen ist das nur ein Name für einen Bildungsgang für Berufstätige zur Normalmatura.

Reife- und Diplomprüfung ist der österreichische Ausdruck der kombinierten Hochschulreife mit Berufsabschluss, Zentralmatura für die Matura insgesamt, da die Abschlüsse aller Schulsparten vereinheitlicht werden.

Die Reifeprüfung (Matura) in ÖsterreichBearbeiten

Die Matura wird im österreichischen Bildungssystem je nach Schultyp in der 12. oder 13. Schulstufe abgelegt. Allgemeinbildende höhere Schulen (AHS) schließen im 12. Schuljahr ab; Berufsbildende höhere Schulen (BHS) im 13. Schuljahr.

„Matura” ist die umgangssprachliche Bezeichnung und „Reifeprüfung“ der offizielle Terminus.

Die Matura wird im Allgemeinen an der Schule abgenommen, die ein Maturant zuletzt besucht hat. Für Personen, die keine Mittelschule besucht haben, gibt es die Möglichkeit einer Externistenmatura oder Berufsreifeprüfung. Dabei wird die Prüfung nicht mit gleichen Aufgaben für alle Schüler einer Jahrgangsstufe durchgeführt. Die Aufgaben für die Klausuren sind lediglich für eine Schulklasse einheitlich, diejenigen für die mündlichen Prüfungen unterscheiden sich von Prüfling zu Prüfling. Jeder Lehrer kann die Fragen nach den Schwerpunkten seines Unterrichts stellen. Die Matura steht somit im Gegensatz zu einem Zentralabitur in manchen deutschen Ländern oder dem französischen Baccalauréat.

Zwar müssen die Prüfungsfragen beim Landesschulrat, in Wien beim Stadtschulrat, oder beim Fachinspektor eingereicht werden, trotzdem kann die Matura von Schule zu Schule und sogar innerhalb einer Schule von Klasse zu Klasse ein anderes Niveau haben. Allerdings muss die Benotung der schriftlichen Prüfung vom Landesschulrat bestätigt werden. Die mündliche Prüfung findet vor einer Kommission statt, in welcher auch Lehrer aus anderen Schulen beteiligt sind.

Seit 2008 gibt es Bestrebungen, auch in Österreich eine Zentralmatura einzuführen. Im Juni 2009 einigten sich die Koaltionsparteien SPÖ und ÖVP auf die Einführung einer schriftlichen Zentralmatura ab 2013 an den AHS und ein Jahr später an den BHS.[1]

Bei der mündlichen kommissionellen Prüfung bekommt jeder Kandidat pro Fach zwei Kernstofffragen aus dem Lehrstoff der Oberstufe, aus denen er eine auswählen darf, und eine Spezialfrage zu seinem im Voraus gewählten Spezialgebiet. Das Spezialgebiet kann von den Schülern in Absprache mit den Lehrern selbst gewählt werden und muss ein Thema behandeln, das im Kernstoff nicht enthalten ist.

AHS-MaturaBearbeiten

In Allgemeinbildenden Höheren Schulen besteht die Reifeprüfung (Matura) aus 3 bis 4 schriftlichen Prüfungen zu je 4 bis 5 Stunden (lebende Sprachen sind 5-stündig; Mathematik, Latein, Physik, Darstellende Geometrie, Biologie und alle anderen Fächer 4-stündig) und 3 bis 7 mündlichen Prüfungen zu je 15 bis 25 Minuten plus zusätzlicher Vorbereitungszeit. Die schriftlichen Prüfungen werden meist im Laufe einer Woche im Mai abgelegt. Die mündlichen Prüfungen folgen etwa einen Monat später und sind für jeden Maturanten auf einen halben beziehungsweise ganzen Tag verteilt (je nach Anzahl der Prüfungen).

Im Rahmen der Matura haben Kandidaten die Möglichkeit, bis Anfang Februar des Antrittsjahres eine Fachbereichsarbeit anzufertigen. Das ist eine kurze wissenschaftliche Arbeit − vergleichbar mit einer Seminararbeit. Wird die Fachbereichsarbeit angenommen, so reduziert sich die Anzahl der Prüfungen auf je 3 schriftliche Arbeiten und 3 mündliche Prüfungen. Im Rahmen der neuen Zentralmatura wird diese optionale Fachbereichsarbeit durch die verpflichtende so genannte vorwissenschaftliche Arbeit ersetzt.

Schriftliche Prüfungen in Deutsch und Mathematik sowie in einer (lebenden oder toten) Fremdsprache sind verpflichtend. Die vierte Endprüfung kann in einer weiteren Fremdsprache, Informatik, Darstellender Geometrie, Biologie oder Physik abgelegt werden, sofern in diesen Fächern spätestens ab der 11. Schulstufe Schularbeiten geschrieben wurden.

Für die mündlichen Prüfungen sind die Schulfächer in mehrere Gruppen unterteilt:

  • Gruppe A: Religion, Ethik (an Schulen, die an diesem Schulversuch teilnehmen), Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, Psychologie und Philosophie, Musikerziehung, Bildnerische Erziehung
  • Gruppe B: Fremdsprachen
  • Gruppe C: Geographie und Wirtschaftskunde, Mathematik, Darstellende Geometrie, Biologie und Umweltkunde, Chemie, Physik, Informatik

Für die mündliche Prüfung muss zumindest ein Gegenstand aus Gruppe B gewählt werden. Welche weiteren Gegenstände gewählt werden müssen, hängt von der Art der AHS ab. Die mündlichen Prüfungen sind öffentlich.

Kandidaten, die eine Fachbereichsarbeit verfasst haben, müssen in jenem Fach, dem die Arbeit zugeordnet ist, zur mündlichen Prüfung antreten; zusätzlich müssen sie sich jedoch im Rahmen dieser Prüfung einem Prüfungsgespräch über ihre Arbeit stellen und diese präsentieren.

Wenn ein Kandidat keine Fachbereichsarbeit geschrieben hat, muss er im Verlauf seiner mündlichen Matura auch eine vertiefende, eine fächerübergreifende oder eine ergänzende Prüfung ablegen.

Unabhängig davon, welche dieser Varianten der Schüler wählt, bekommt er zwei Fragen, von denen er sich eine aussuchen darf; zusätzlich erhält er eine Frage aus einem von ihm zuvor im Einverständnis mit dem Prüfer gewählten Spezialgebiet, das eine Ergänzung zum Kernstoff darstellen muss.

Die vertiefende Matura ist nur in einem Fach möglich, das der Schüler im Laufe der Oberstufe als Wahlpflichtfach gewählt hat. In diesem Fach bekommt er zusätzlich zu den beiden Kernstofffragen und der Spezialfrage zwei Fragen zu Stoffgebieten, die im Wahlpflichtfach durchgenommen wurden.

Bei der fächerübergreifenden Matura werden zwei beliebige Prüfungsfächer verbunden. Zusätzlich zu den Kernstoff- und Spezialfragen in beiden Fächern bekommt der Kandidat zwei Fragen – eine davon ist zu beantworten –, die thematisch in beide Fächer passen, und bei deren Beantwortung er auch auf beide Fächer eingehen muss. Als Prüfer fungieren dabei die Professoren beider Fächer.

Die ergänzende Prüfung wird in einem beliebigen Fach in Verbindung mit einer Sprache oder mit Informatik abgehalten, wobei diese Sprache beziehungsweise Informatik nicht zwangsläufig als Maturafach gewählt werden muss. Der Schüler muss dabei zusätzlich zur Kernstoff- und Spezialfrage eine Kernstofffrage in der gewählten Sprache beantworten.

BHS-MaturaBearbeiten

Über 60 % der österreichischen Maturanten legen ihre Abschlussprüfung (Reife- und Diplomprüfung) an einer der zahlreichen Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) ab, die in 5 Schuljahren nach der Pflichtschule neben der Matura auch noch eine Berufsausbildung mit staatlichem Abschluss vermitteln. Je nach Schultyp (Fachrichtung) gelten dafür unterschiedliche Richtlinien. Nach einigen Jahren praktischer Berufsarbeit dürfen die Absolventen der technischen und landwirtschaftlichen BHS – auf Antrag beim zuständigen Ministerium – die Standesbezeichnung Ingenieur führen. Die BHS ist eine Sekundarschule und keine Hochschule. Ihr Abschlusszeugnis beziehungsweise das Diplom der BHS (vergleichbar „staatlich geprüfter Techniker“ in anderen Ländern) wird europaweit im Sinne der EU-Richtlinie 92/51 EWG, Anhang D, als Berufsausbildungsnachweis anerkannt. Absolventen können an einer Hochschule ein Studium aufnehmen; sie erhalten damit die allgemeine Hochschulreife.

Einheitliche Reife- und Diplomprüfung (Zentralmatura)Bearbeiten

Die derzeitige Form der Matura wird ab 2015/16 durch die neue Reifeprüfung[2][3] ersetzt: Die AHS-Matura und die BHS-Matura mit Berufsdiplom werden in eine standardisierte Reife- und Diplomprüfung für alle höheren Schulformen übergeführt.[2] Sie wird auch Zentralmatura genannt, weil ein österreichweit einheitliches Beurteilungssystem zugrunde gelegt wird.[4]

Die neue Reifeprüfung besteht aus drei Teilen. Die erste Säule ist die Vorwissenschaftliche Arbeit (abschließende Arbeit) mit einem Umfang von 40.000 bis 60.000 Zeichen[5] mit Präsentation und Diskussion. Die zweite Säule sind die Klausuren. Der dritte Teil besteht aus den mündlichen Prüfungen.

Berufsreifeprüfung in ÖsterreichBearbeiten

Die 1997 eingeführte Berufsreifeprüfung (BRP) ist ein berufsbegleitender Bildungsweg zu einer vollwertigen Studienberechtigung. Sie soll auch für Absolventen einer berufsbildenden mittleren Schule oder des Polytechnikums, die schon im Berufsleben stehen, den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen gewähren.

Das MaturazeugnisBearbeiten

Das Maturazeugnis enthält lediglich die Noten der Klausurarbeiten und der mündlichen Prüfungen. Die Benotung erfolgt durch Noten von 1 (Sehr gut) bis 5 (Nicht genügend). Zusätzlich enthält es eine Zusammenfassung der Leistungen:

  • Mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden: Bei einem Notenschnitt von maximal 1,5 und nur „Sehr gut“ bis „Befriedigend“ (3) als Teilnoten.
  • Mit gutem Erfolg bestanden: Bei einem Notenschnitt von maximal 2,0 und nur „Sehr gut“ bis „Befriedigend“ (3) als Teilnoten
  • Bestanden
  • Nicht bestanden: Bei einer oder mehreren mit „Nicht genügend“ beurteilten Teilprüfungen.

Schüler, die die Matura beim ersten Mal nicht bestanden haben, haben die Möglichkeit, zu den Nebenterminen im September / Oktober und Jänner / Februar beziehungsweise im kommenden Schuljahr die Reifeprüfung zu wiederholen.

Es hat sich eingebürgert, dass bei erfolgreicher Ablegung der Reifeprüfung aller Kandidaten einer Schule (manchmal auch Klasse) symbolisch von den Maturanten die weiße Fahne gehisst wird.

B-MaturaBearbeiten

Keine Reifeprüfung im eigentlichen Sinne ist die sogenannte B-Matura oder Beamtenmatura. Als solche wird die bestandene Beamtenaufstiegsprüfung im Öffentlichen Dienst bezeichnet. Sie erlaubt öffentlich Bediensteten Positionen im gehobenen Dienst, mit höherem Gehalts- und Hierarchieniveau, auch ohne die sonst übliche Matura zu erreichen. Sie entspricht etwa einer fachgebundenen Fachhochschulreife und berechtigt zum facheinschlägigen Fachhochschulstudium, wie z. B. die Bachelor-Studien „Public Management“ an der Fachhochschule FH Campus Wien, „Militärische Führung“ an der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk) und „Polizeiliche Führung“ an der Fachhochschule in Wiener Neustadt. Pflichtfächer sind (im vollen Umfang des Lehrplanes eines Realgymnasiums) Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, Geographie und Wirtschaftskunde, Wahlfächer zwei der folgenden Fächer im Umfang des Lehrplanes eines Realgymnasiums bis einschließlich zur 6. Klasse (10. Schulstufe): Fremdsprache, eine weitere Fremdsprache, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Umweltkunde; eine Fremdsprache oder Mathematik muss jedenfalls gewählt werden.

Aufgrund der mittlerweile eingeführten Berufsreifeprüfung kann die B-Matura seit 2009 nicht mehr abgelegt werden, ausgenommen bis 2013 für Personen, die bis 2008 zumindest ein Pflichtfach der B-Matura abgeschlossen haben, B-Maturanten können als Aufstiegsbedienstete im öffentlichen Dienst aber weiterhin Maturantenposten erreichen.

GeschichteBearbeiten

Als Matura (Reifeprüfung) wurde im ehemaligen Habsburger Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn und in anderen deutschen Staaten der Schulabschluss an allen höheren Schulen (Gymnasien) bezeichnet. Den Ruf, die schwersten Gymnasien in der gesamten Donaumonarchie zu sein, hatten um die vorletzte Jahrhundertwende jene in Bosnien und Herzegowina.[6] Bereits 1866 verlangte das k. k. Polytechnikum, die heutige TU in Wien, die Matura als Zugangsvoraussetzung für ein Studium.[7] Bis dahin war die Matura allein Sache der Buben.

Mädchen durften die Matura erst ab 1872 als Externisten an einem Knabengymnasium ablegen. Studieren durften sie allerdings erst seit 1897 an der philosophischen und ab 1901 auch an der medizinischen Fakultät. Das erste Lyzeum (Mädchengymnasium) wurde 1892 in Wien gegründet. Die Reifeprüfungen (Matura) durften aber noch lange nicht selbst durchgeführt werden.[8]

MaturaballBearbeiten

Im Zusammenhang mit, aber meist bereits Monate vor der Prüfung in der traditionellen Ballsaison von November bis Faschingsdienstag, veranstaltet fast jede Maturaklasse einen Maturaball. Diese außerschulische Ballveranstaltung, die meist außerhalb in gemieteten Sälen stattfindet, diente vor allem der Finanzierung der Maturareise im Sommer nach der Matura. Im Laufe der letzten Jahre entwickelten sich diese Veranstaltungen von durch Spenden finanzierten Maturakränzchen je Maturaklasse zu aufwendigen Ballveranstaltungen, für die Eintrittskarten verkauft werden. Statt der früher üblichen „Bettelbriefe“ an Verwandte und Politiker arbeitet man heute mit Sponsoring und Werbung am Ball und in Maturazeitungen. Dieser Aufwand ist nur zu bewältigen, wenn sich alle Maturaklassen einer Schule, manchmal auch mehrerer Schulen, zusammenschließen. Dafür wird ein Ballkomitee zur Planung und Vorbereitung gebildet. Saalmiete, Musik, AKM-Abgaben, Tanzschulhonorar für die Polonaise und Sicherheitsdienst kosten mittlerweile so viel, dass kaum mehr Gewinn erzielt werden kann und die Eltern der Maturanten sogar einen Zuschuss leisten müssen.[9] Gefragte Säle müssen bereits Jahre davor reserviert werden, und Eltern müssen während der Oberstufe oft mehrere Jahre lang Geld auf ein Ballkonto einzahlen. Aufgrund der immer schwierigeren Situation gibt es mittlerweile Anlaufstellen für die Maturanten wie z. B. den Verein zur Unterstützung österreichischer Maturanten & Maturanteninnen. Die Maturanten werden von dem Verein bei der kompletten Organisation des Maturaballs unterstützt.

Die Maturität in der SchweizBearbeiten

Auch beim Schweizer Bildungssystem wird die Reifeprüfung als Matura beziehungsweise Matur bezeichnet. Die gegenwärtige Struktur dieser Prüfung in der Schweiz wurde 1995 eingeführt. Die Matura zählt in der Schweiz nur als Berechtigung zum prüfungsfreien Übertritt – Studienfächer wie Medizin mit Numerus clausus ausgenommen – an eine kantonale oder eidgenössische Universität; sie berechtigt in der Regel nicht zu einem Fachhochschulstudium, zu letzterem muss oft ein zusätzliches Berufspraktikum absolviert werden. Der übliche Weg an die Fachhochschule führt über eine Berufslehre und die Berufsmaturität.

Jede Matura einer schweizerischen Mittelschule erlaubt grundsätzlich den Übertritt in jedes Hochschulfach. Die Wahl des Maturatyps stellt also keine prinzipielle Einschränkung in Bezug auf die später möglichen Studiengänge dar. Je nach absolviertem Maturatyp und gewähltem Studiengang wird allerdings der Studieneinstieg erschwert oder es sind Zusatzlektionen an der Hochschule zu belegen, um den Vorlesungen folgen zu können.

Die öffentlich-rechtlichen Schulen in der Schweiz, die einen Maturalehrgang anbieten, werden von den Kantonen geführt und heißen daher Kantonsschulen. Der Ausdruck Gymnasium wird oft synonym verwendet, allerdings vorwiegend für Schulen, die Lehrgänge mit Lateinunterricht anbieten. Es gibt in den meisten Kantonen auch private Gymnasien, bei denen allerdings nicht alle die Berechtigung haben, die Maturaprüfung abzunehmen.[10]

Die Matura vor 1995Bearbeiten

Die alte Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) aus den 1960er Jahren erteilte je nach Profil folgende fünf Typen von Maturitätszeugnissen:

  • Typus A: altsprachliches Gymnasium mit Griechisch und Latein
  • Typus B: Gymnasium mit Latein und Englisch beziehungsweise der dritten Schweizer Landessprache
  • Typus C: mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium
  • Typus D: neusprachliches Gymnasium
  • Typus E: Wirtschaftsgymnasium
  • Typus M: musisches Gymnasium

Neben diesem typenspezifischen Fächerkanon galten folgende Fächer für alle Maturitätszeugnisse als Grundlage: Deutsch, zweite Landessprache (in der Deutschschweiz: Französisch), Geschichte, Geografie, Mathematik, Biologie, Physik, Chemie, Musik oder Kunst. Zudem wurde Sport als nicht zählendes Fach in das Maturitätszeugnis eingetragen. Einige Kantone hatten zusätzlich spezielle weitere Fächer, wie etwa Philosophie. Je nach Typus wurden verschiedene Fächer (sog. „Kernfächer“) im Maturitätszeugnis doppelt gezählt.

Weiter vergaben Seminarien Lehramtszeugnisse, die ebenso zum prüfungsfreien Eintritt in die Universitätsstufe berechtigten. Die Lehrerseminarien wurden durch die pädagogische Hochschulen abgelöst.

Matura ab 1995Bearbeiten

Wurde bis 1995 zwischen verschiedenen Maturitätsprofilen unterschieden, stellt sich der Schüler nun nach bestimmten Regeln durch die Wahl von Maturitätsfächern selbst ein Unterrichtsprogramm zusammen (neues Maturitätsanerkennungsreglement MAR vom 15. Februar 1995, Revision 27. Juni 2007).[11]

Die Prüfung findet in mindestens fünf Fächern statt, die schriftlich und mündlich geprüft werden (in einigen Kantonen entfällt bei nichtsprachlichen Fächern die mündliche Prüfung, in anderen Kantonen gilt das nur für Mathematik):

  • Erstsprache
  • zweite Landessprache
  • Mathematik
  • Schwerpunktfach
  • ein weiteres Fach; die Bedingungen für die Wahl dieses Faches legen die Kantone, teilweise sogar die einzelnen Schulen, fest.

Die Ergebnisse dieser Prüfungen fließen zu 50 % in die Endnote des Faches ein, die Note des letzten Jahres zählt ebenfalls 50 %. In den Fächern ohne Maturitätsprüfung zählt nur die Note des letzten Jahres. Gerundet wird grundsätzlich in Richtung der Prüfungsnote oder auch mathematisch. Es werden in manchen Kantonen nur halbe Noten erteilt (6, 5.5, 5, 4.5 etc.).

Die Maturitätsprüfung gilt als bestanden, wenn die doppelte Summe aller Notenabweichungen von 4 nach unten nicht größer ist als die einfache Summe aller Notenabweichungen von 4 nach oben und nicht mehr als vier Noten unter 4 erteilt wurden.

Das Ergebnis der eidgenössischen Matura setzt sich aus den Leistungen der neun Maturitätsfächer zusammen. An kantonalen Gymnasien wird jeweils eine kantonale Matura verliehen, die eidgenössisch anerkannt ist; in dieser sind zusätzlich je nach Kanton unterschiedliche weitere Noten (Maturaarbeit, Philosophie etc.) enthalten.

Die Maturitätsprüfung kann zweimal versucht, also einmal wiederholt werden.

Schweizerische MaturitätsprüfungBearbeiten

Während die herkömmlichen Prüfungen von Schule zu Schule unterschiedlich sind und meist sogar von Lehrer zu Lehrer, bietet sich die Möglichkeit, die Maturaprüfung auf nationaler Ebene zu absolvieren (Schweizerische Maturitätsprüfung).[12]

Wer keinen gymnasialen Lehrgang besucht hat (Erwachsene), kann die Matur außerhalb einer Maturitätsschule bei der Schweizerischen Maturitätskommission absolvieren. Die Vorbereitung auf diese Prüfungen erfolgt im Selbststudium oder in einem einjährigen Kurs an staatlichen oder privaten Schulen. Die Maturitätsprüfung wird dann extern vor fremden Experten abgelegt. In der Schweiz absolvieren pro Jahr ungefähr 400 Personen das Schweizerische Maturitätsexamen mit Erfolg.

BenotungBearbeiten

In der Schweiz ist Note 6 die beste, 1 die schlechteste Note, genügend sind alle Noten von 4 an aufwärts. Zur Ermittlung der Noten gilt häufig die Formel (lineare Funktion):

\frac{\text{Erreicht}}{\text{Maximal}}\cdot 5+1= \text{Note}

Von Kanton zu Kanton sind die Verordnungen über die Benotung leicht anders. Jedoch zählt in jedem Fach, in dem Maturitätsprüfungen durchgeführt werden, jeweils der Schnitt von Vorschlagsnote/Erfahrungsnote und Prüfungsnote, auf die nächste halbe Note gerundet. Wie in jedem einzelnen Fach geprüft wird, sieht man auf der folgenden Tabelle (in anderssprachigen Teilen der Schweiz ist die erste/zweite Landessprache logischerweise anders):

Fach Mündlich Schriftlich
Erste Landessprache Ja Ja
Zweite Landessprache (fra/ita) Ja Ja
Zweite Fremdsprache (eng/gri/lat/esp) Ja/Nein Ja/Nein
Mathematik Ja Ja
Schwerpunktfach Ja Ja
Ergänzungsfach Ja/Nein Ja/Nein

Neben diesen Prüfungsfächern zählen auch bereits in der 1., 2. oder 3. Klasse abgeschlossene Fächer wie Bildnerisches Gestalten oder Musik mit Instrument.

ItalienBearbeiten

In Italien wird umgangssprachlich und historisch von „esame di maturità“ (wörtlich: Reifeprüfung) gesprochen. Amtlich heißt die Matura heute esame di stato (staatliche Abschlussprüfung).

MazedonienBearbeiten

Schüler, die in Mazedonien nach der Oberschule studieren wollen, müssen die Matura ablegen.

Der Abschluss heißt Staatsgarde матура ("staatliche Matura") oder einfach матура ("Matura").

Die Schüler müssen bei der Matura vier Prüfungen ablegen:

  • Muttersprache (Mazedonisch, Albanisch oder Türkisch):
    Kenntnis der Literatur und Grammatik über alle 4 Jahre Gymnasium sowie Essayistik.
  • Mathematik/Fremdsprache:
    Die Schüler wählen, ob sie die Prüfung in Mathematik (Basic oder Advanced Level) oder einer Fremdsprache (in der Regel Englisch, Deutsch, Französisch oder Russisch) ablegen werden.
  • zwei Themen nach Wahl des Schülers
  • eine Projektaufgabe

[13][14]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Österreich:

  • Juliane Mikoletzky, Ute Georgeacopol-Winischhofer, Margit Pohl: „Dem Zuge der Zeit entsprechend …“: Zur Geschichte des Frauenstudiums in Österreich am Beispiel der Technischen Universität Wien. Wien 1997, ISBN 3-85114-258-6.

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Matura – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Matura – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Positive Reaktionen auf Zentralmatura; ORF.at Vorarlberg, 26. Juni 2009
  2. a b Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur: Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS; Stand: 4. April 2013
  3. Bundeskanzleramt: Schulunterrichtsgesetz (SchUG) – beschlossene Änderungen; Stand: 19. Juli 2010; abgerufen 20. März 2012.
  4. Zentralmatura: Der Start der standardisierten Reifeprüfung wird um ein Jahr verschoben. Kronen Zeitung, 4. Juni 2012, abgerufen am 19. April 2013.
  5. Friedrich Saurer: Umfang (Seitenanzahl, Zeichenanzahl) der vorwissenschaftlichen Arbeit; vorwissenschaftlichearbeit.info, 6. August 2011
  6. Srećko Matko Džaja: Bosnien-Herzegowina in der österreichisch-ungarischen Epoche (1878–1918): die Intelligentsia zwischen Tradition und Bildung; München: Oldenbourg, 1994; ISBN 3-486-56079-4; S. 137.
  7. Juliane Mikoletzky: Kurze Geschichte der Technischen Universität Wien; Stand: 4. Januar 2007; abgerufen am 28. November 2009.
  8. Peter Lukasch: Österreichische Schulbücher: Vom Ende der Monarchie bis in die 50er. Die Entwicklung des Pflichtschulwesens in Österreich bis 1919; Stand: 2. Dezember 2006; abgerufen am 25. November 2009.
  9. Kleine Zeitung-G7 vom 12. September 2010.
  10. Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB: Gymnasiale Matura auf dem 2. Bildungsweg; abgerufen am 7. Mai 2013 (gilt analog auch für den ersten Bildungsweg)
  11. Schweizerische Eidgenossenschaft: 413.11 Verordnung vom 15. Februar 1995 über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (Maturitäts-Anerkennungsverordnung, MAV); Systematische Sammlung des Bundesrechts auf admin.ch
  12. Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI: Schweizerische Maturitätsprüfung; abgerufen am 7. Mai 2013.
  13. http://www.matura.gov.mk/Default.aspx?language=EN
  14. http://www.matura.gov.mk/







Creative Commons License