Pfingsten

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Dieser Artikel befasst sich mit dem christlichen Fest. Für weitere Bedeutungen siehe Pfingsten (Begriffsklärung).
Pfingstsonntage
von 2013 bis 2019
Jahr Lateinische
Kirche
2013 19. Mai
2014 8. Juni
2015 24. Mai
2016 15. Mai
2017 4. Juni
2018 20. Mai
2019 9. Juni
Darstellung der Ausgießung des heiligen Geistes im Rabbula-Evangeliar (586)
Pfingstdarstellung im Ingeborg-Psalter (um 1200)
Pfingstdarstellung im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (um 1180)
Pfingstdarstellung von Giotto di Bondone (um 1305)
Pfingsten im StundenbuchLes Très Riches Heures“ des Herzogs de Berry (15. Jahrhundert)

Pfingsten (altgr. πεντηκοστή ἡμέρα pentekostē hēmera ‚fünfzigster Tag‘) ist ein christliches Fest. Gefeiert wird von den Gläubigen die Entsendung des Heiligen Geistes. Es wird am 50. Tag des Osterfestkreises, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, begangen.

Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot (τὴν ἡμέραν τῆς πεντηκοστῆς ‚zum 50. Tag‘) in Jerusalem versammelt waren (Apg 2,1-41 EU). Dieses Datum wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden. Als christliches Fest wird Pfingsten erstmals im Jahr 130 erwähnt.

Jüdischer Ursprung

Das christliche Pfingstereignis fand nach Apg 2,1 EU am jüdischen Fest Schawuot statt. Dieses Fest feiert die Offenbarung der Tora an das Volk Israel und gehört zu den Hauptfesten des Judentums. Schawuot bedeutet Wochen und weist mit diesem Namen auf die mit dem fünfzigsten Tag vollendeten sieben Wochen nach dem Pessachfest hin. Bereits aus dieser Tradition stammt der griechische Name pentekostē, aus dem der deutsche Begriff „Pfingsten“ hervorgegangen ist. Schawuot ist gleichzeitig ein Erntedankfest, da es den Abschluss der mit Pessach beginnenden Weizenernte markiert.

Pfingsten im Neuen Testament

Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte werden die Erfahrungen der Jünger Jesu beim Pfingstfest, dem jüdischen Schawuot-Fest, in Jerusalem geschildert:

  • Als der Pfingsttag gekommen war, geschah ein Brausen vom Himmel und sie wurden von dem heiligen Geist erfüllt:

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Apg 2,1-4 EU
  • Durch den Propheten Joel hatte Gott vorausgesagt, dass er in den letzten Tagen von seinem Geist auf alles Fleisch ausgießen werde, und wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden:

„[…] das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist [vgl. Joel 3,1-5 LUT: Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen […] Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.‘“

Apg 2,15-18 LUT
  • Nach der Auferstehung Jesu Christi wurde der heilige Geist ausgegossen und das ganze Haus Israel soll wissen, dass Gott diesen Jesus zum Herrn und Christus gemacht hat:

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen. Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört […] So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“

Apg 2,32-36 EU
  • Als Petrus gefragt wurde, was getan werden solle, antwortete er: Buße zu tun und sich taufen zu lassen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, um den verheißenen heiligen Geist zu empfangen. Am Pfingsttag nahmen dreitausend Menschen sein Wort an:

„Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung, und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird […] Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.“

Apg 2,37-41 EU

Pfingsten als christliches Fest

Das Pfingstfest ist ein Hochfest, an dem das – von Jesus Christus angekündigte – Kommen des Heiligen Geistes gefeiert wird, und zugleich der feierliche Abschluss der Osterzeit. Nach dem christlichen Glauben – wie Petrus ihn in seiner Pfingstpredigt zum Ausdruck gebracht hat – folgt auf die Buße (Apg 2,38 EU) die Taufe auf den Namen Jesu Christi. Das Empfangen des Heiligen Geistes kann durch Handauflegung, wie in Apg 8,15-17 EU, oder auch während der Predigt, wie in Apg 10,44 EU, geschehen. Im Evangelium nach Lukas (Lk 24,49 EU) heißt es, dass der Gottesgeist als „Kraft aus der Höhe“ herabkommen wird. Das Johannesevangelium (Joh 20,19-23 EU) beschreibt, dass der Auferstandene am Abend des Ostertages in die Mitte seiner Jünger kam, sie anhauchte und mit den Worten „Empfanget den Heiligen Geist!“ ihnen den Geist Gottes übertrug. Aus diesem Grund bezeichnet man Pfingsten auch gelegentlich als „Geburtstag der Kirche“.

Als „Pfingstwunder“ bezeichnet man die in der Apostelgeschichte beschriebene wunderbare Fähigkeit der Jünger, in anderen Sprachen zu sprechen und andere Sprachen zu verstehen. Theologisch steht dies für die Mission der Kirche, alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Ethnizität anzusprechen.

Zur Liturgie der römisch-katholischen Kirche gehört das Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes in der Pfingstnovene, den neun Tagen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Das Hochfest selbst beginnt mit der Vesper am Vorabend und endet mit der zweiten Vesper des Pfingstsonntags. Zur Liturgie gehört die Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus („Komm, Heiliger Geist“), einer von insgesamt fünf Sequenzen im Kirchenjahr. Der Pfingstmontag wurde in einigen Ländern als zweiter Feiertag und Tag der früheren Pfingstoktav beibehalten, zählt aber liturgisch eigentlich nicht mehr zur Osterzeit, sondern bereits zur Zeit im Jahreskreis. In der außerordentlichen Form des römischen Ritus wird die ganze Pfingstoktav weiterhin begangen.

Pfingstbewegung

In christlichen charismatischen Kreisen spielt das neutestamentliche Pfingstereignis eine wesentliche Rolle. Insbesondere in der Pfingstbewegung wird die persönliche Erfahrung des Wirkens des Heiligen Geistes betont.

Pfingstdatum

Auf welches Datum Pfingsten fällt, hängt ganz vom Osterdatum ab. Das Christentum hat das Verhältnis zwischen diesen Festen vom Judentum übernommen in Anlehnung an den Abstand von 50 Tagen zwischen Pessach und Schawuot. Da jedoch im Christentum die Feste Ostern und Pfingsten wegen der Bedeutung des Auferstehungstages Jesu auf einen Sonntag gelegt wurden, wird bei der Zählung der fünfzig Tage der Ostersonntag als erster Tag berücksichtigt. Der Pfingstsonntag fällt damit stets auf die Zeit zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni. Wenn Ostern beispielsweise auf den 23. März fällt (wie im Jahr 2008), dann wird Pfingsten am 11. Mai gefeiert. Seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders fiel das Pfingstfest nur fünfmal auf den 12. Juni, und zwar in den Jahren 1639, 1707, 1791, 1859 und 2011. Das Gleiche gilt auch für den 10. Mai (frühester Termin) und 13. Juni (spätester Termin). Hier waren es für den 10. Mai die Jahre 1598, 1693, 1761 und 1818 (nächstes Auftreten: 2285). Die Jahreszahlen für den 13. Juni lauten: 1666, 1734, 1886, 1943 (nächstes Auftreten: 2038). Noch seltener, nämlich nur zweimal, fiel der Feiertag auf den 12. Mai. Das geschah 1799 und 1940, und erst im Jahre 2391 wird es wieder so weit sein.

Brauchtum zu Pfingsten

In vielen Regionen existieren Pfingstbräuche, die dem anderswo bekannten Maibrauchtum ähneln, so zum Beispiel das Pfingstbaumpflanzen in der Lüneburger Heide, in Oelde der Pfingstenkranz, in Mecklenburg das Schmücken des Pfingstochsen, in Frankfurt am Main der Wäldchestag, in Halle (Saale) der Knoblauchsmittwoch, die Geißbockversteigerung in Deidesheim, die Heimensteiner Kirmes in Heilbad Heiligenstadt oder die Pfingstkirmes in Menden. Mancherorts wird das „Birkenstecken“ praktiziert, wo sich in der Pfingstnacht Junggesellen aufmachen, um ihrer Liebsten eine Birke an die Hauswand zu stellen.

Im Bergischen Land pflegt man das Pfingstsingen. Junge Männer oder Männergesangvereine ziehen von Haus zu Haus und entbieten den Pfingstgruß. Dafür sammeln sie Eier, Speck und sonstige Gaben, aber auch Geld.

In Österreich und Teilen von Deutschland ist in der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag die Unruhnacht (Bosheitsnacht). Ursprünglich sollten in dieser Nacht böse Geister ausgetrieben werden, jetzt werden in der „Unruhnacht“ den Mitbürgern Streiche gespielt, zum Beispiel wird die Gartenbank des Hauseigentümers versteckt, oder seine Haustür wird mit Blumenstöcken verstellt. Diese Aktivitäten werden auch als „Pfingststehlen“ bezeichnet. Alles, was nicht durch ein Dach geschützt ist, darf mitgenommen und versteckt werden.

In der Jugendarbeit sind traditionell Pfingstzeltlager sehr beliebt.

Feiertag

Der Pfingstmontag ist ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg, in weiten Teilen der Schweiz und auch in Ungarn. In Deutschland forderten Wirtschaftsverbände 2005 seine Abschaffung. Sämtliche im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der FDP sprachen sich ebenso wie die Kirchen und Gewerkschaften gegen diesen Vorschlag aus.

Einzig das Land Brandenburg behandelt den Pfingstsonntag explizit als Feiertag (§ 2 Abs. 1 des Feiertagsgesetzes für das Land Brandenburg[1]). Das hat jedoch wegen der Gleichstellung mit Sonntagen keine praktischen Folgen.

In Frankfurt am Main war bis in die 1990er Jahre der Wäldchestag, ein Volksfest am Nachmittag des Pfingstdienstags, ein arbeitsfreier Tag. Auch andernorts erhielten bis in die 1960er Jahre die Beschäftigten am Dienstag nach Pfingsten einen arbeitsfreien Tag.[2] In mehreren deutschen Bundesländern ist bis heute der Pfingstdienstag ein Ferientag in den Schulen[3] bzw. Beginn oder Ende mehrtägiger Pfingstferien.

In Frankreich ist 2005 der Versuch der Regierung Raffarin, den Pfingstmontag zum unbezahlten Feiertag zu machen, am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Ein für die Regierung erstellter Bericht kam allerdings zu dem Schluss, dass trotz der Abschaffung des Pfingstmontags zuletzt rund 52 Prozent der Erwerbstätigen an diesem Tag nicht gearbeitet hätten. Schulen und öffentliche Dienststellen blieben meist geschlossen. Der Pfingstmontag ist seit 2008 wieder Feiertag.

In Schweden wurde der Pfingstmontag als Feiertag im Jahre 2005 abgeschafft. Stattdessen ist ab demselben Jahr der schwedische Nationalfeiertag, der 6. Juni, nunmehr auch ein gesetzlicher und damit arbeitsfreier Feiertag.

In Italien (mit Ausnahme von Südtirol) wurde der Pfingstmontag als gesetzlicher Feiertag vor einigen Jahren abgeschafft. Es gibt Versuche, den christlichen Feiertag wieder einzuführen, zusammen mit anderen kirchlichen Feiertagen. Es liegt ein diesbezüglicher Gesetzentwurf im italienischen Parlament auf (Senat: Nr. 940; Kammer: Nr. 1647).

Siehe auch

Literatur

  • Jens Herzer: Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Weihnachten. Was wissen wir über die Ursprünge des Christentums? Brennpunkt Die Bibel. Bd 4. Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft und von Cansteinsche Bibelanstalt, Berlin 2000. ISBN 3-7461-0144-1 (allgemeinverständlich und wissenschaftlich fundiert)
  • Katholisches Bibelwerk (Hrsg.): Gottes Volk. Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde. Teil 4. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2005. ISBN 3-460-26635-X
  • Joseph Ratzinger: Komm, Heiliger Geist! – Pfingstpredigten. Wevewl, Donauwörth 2005. ISBN 3-87904-299-3
  • Maria Schwabe (Hrsg.): Pfingsten statt Babel. Zur Mystik und Spiritualität im Weltsozialforum. Missionszentrale der Franziskaner, Bonn 2004.
  • Alfons Weiser, Karl-Heinrich Bieritz, Henning Schröer, Petra Sevrugian: Pfingsten/Pfingstfest/Pfingstpredigt. In: Theologische Realenzyklopädie. Berlin 26.1996, S. 379–398. ISBN 3-11-002218-4 (enzyklopädischer Überblick mit weiterer Literatur)

Quellennachweis

  1. [Brandenburgisches] Gesetz über die Sonn- und Feiertage – brandenburg.de
  2. Bspw. Siemens und Pierburg in Berlin
  3. 2012: Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen

Weblinks

 Wiktionary: Pfingsten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Pfingsten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Pfingsten – Zitate
 Wikisource: Pfingsten – Quellen und Volltexte







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