Seat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
SEAT S.A.
SEAT Logo
Rechtsform Sociedad anónima (Aktiengesellschaft)
Gründung 9. Mai 1950
Sitz Martorell, Spanien
Leitung Jürgen Stackmann
Mitarbeiter 11.394 Mitarbeiter
Umsatz 5,0491 Mrd. Euro
Branche Automobilhersteller, Automobilindustrie
Website www.seat.com
Seat-Pavillon in der Autostadt Wolfsburg

Seat (Eigenschreibweise: SEAT) ist ein 1950 gegründetes Unternehmen zur Automobilherstellung. Es gehört heute zum deutschen Volkswagen-Konzern. Seat ist einer der größten Personenwagenhersteller in Spanien.

Am 9. Mai 1950 als Sociedad Española de Automóviles de Turismo, S.A. („Spanische Gesellschaft für Pkw“) im Industriepark Barcelonas, der Zona Franca gegründet. Kapitalgeber der 600 Millionen Peseten waren zu 51 Prozent das staatliche Industrieinstitut Instituto Nacional de Industria, zu 42 Prozent spanische Banken und zu sieben Prozent Fiat.

Nach der Werkseröffnung am 5. Juni 1953 lief am 13. November der erste Wagen vom Band.

Seit 1986 gehört Seat zum Volkswagen-Konzern. Der Firmensitz befindet sich in Martorell, rund 35 km von Barcelona entfernt.

Vorstandsvorsitzender von Seat, S.A. ist Jürgen Stackmann.

Am 10. März 1983 begann die spanische Marke ihre Verkäufe in Deutschland unter eigenem Namen, zunächst über eine Importgesellschaft, bis Seat 1986 daraus ein eigenes Tochterunternehmen, die Seat Deutschland GmbH, machte. Rund 950.000 Seat-Fahrzeuge wurden seitdem nach Deutschland importiert. Seat Deutschland mit Sitz in Weiterstadt beschäftigt 150 Mitarbeiter. Das Vertriebsnetz umfasst derzeit vier Seat-Niederlassungen in Frankfurt am Main, Hamburg, Berlin und Stuttgart.

GeschichteBearbeiten

1950 bis 1979Bearbeiten

Fabrikgebäude in der Zona Franca

In dieser Phase war Seat als Staatsunternehmen weitgehend auf den heimischen, bis in die 1970er Jahre hinein durch hohe Importzölle geschützten Markt ausgerichtet, auf dem es unangefochtener Marktführer war. Aufgrund dieser Ausrichtung und der Lizenzauflagen von Fiat war das Exportgeschäft bis Anfang der 1970er Jahre unbedeutend, bevor erste Exporte vor allem in die Benelux-Länder und nach Finnland getätigt wurden.

Seat baute in diesen Jahrzehnten ausschließlich in Lizenz Fahrzeuge von Fiat. Das Markenlogo war demjenigen von Fiat nachempfunden, mit dem Unterschied, dass statt schräggestellter Rauten Quadrate verwendet wurden. Die Konkurrenten auf dem heimischen Markt waren allesamt Lizenznehmer oder Joint-Ventures ausländischer Unternehmen, u.a. von Renault (in Spanien Fasa), Citroën, Land Rover/Suzuki (in Spanien Santana (Metalúrgica de Santa Ana)). Der Grund hierfür lag in enormen Zöllen auf ausländischen Neufahrzeuge während der Franco-Zeit und begrenzten Importkontingenten. Diese machten den Import ausländischer Neuwagen beinahe unmöglich. Der spanische Markt für eigenständig entwickelte Produktlinien wäre sehr klein gewesen. Populärstes Modell von Seat während dieser Epoche war der Seat 600, liebevoll Seiscientos oder im Katalanischen Siscents genannt. Fast alle spanischen Taxis in jener Zeit waren Seat 1500, kurz Milquinientos genannt.

1980 bis 1999Bearbeiten

Zona Franca

Seat führte mit dem blauen Unternehmenslogo eine neue Corporate Identity ein. Es kam zum Zerwürfnis mit Fiat. Der Seat Ronda und der Seat Fura, die mit den italienischen Modellen Fiat Ritmo bzw. Fiat 127 weitgehend baugleich waren, wurden als eigenständige Modelle deklariert. Seat führte den Ibiza als erstes komplett eigenständig entwickeltes Modell ein. Die Verwandtschaft beschränkte sich nur noch auf einige Motoren, die aber unabhängig vom Lizenzgeber Fiat (mit Hilfe von Porsche) weiterentwickelt wurden. Der Grundstein in Martorell wurde gelegt. Seat und Volkswagen schlossen ein Produktions- und Wirtschaftsabkommen. Seat begann die Markterschließung in Richtung Europa. Die Kooperation mit Volkswagen entwickelte sich zu einer 75%-Beteiligung. Seat Sport trat zum ersten Mal in der Motorsport-Szene auf. Volkswagen baute die Beteiligung an Seat auf 99,99 Prozent aus. Aus der Sociedad Española de Automóviles de Turismo wurde Seat S.A..

Werksgelände in Martorell

2000 bis 2004Bearbeiten

Mit neuem Design und sportlichen Modellen nimmt Seat einen Platz in der Markengruppe Audi ein. 2001 verabschiedete sich Seat mit einem Sieg bei der Drei-Städte-Rallye der Deutschen Rallye-Meisterschaft aus dem Motorsport.

58.997 Seat-Neufahrzeuge wurden 2003 in Deutschland neu zugelassen, ein Marktanteil von 1,76 Prozent. Die höchsten Export-Zuwächse erzielte Seat neben Deutschland auch in Großbritannien, wo mit 35.000 Neuzulassungen (+21 Prozent) ein Rekordergebnis erreicht wurde. In Spanien wuchs Seat mit 148.100 Neuzulassungen um 3,2 Prozent. Erhebliche Zuwächse verzeichnet Seat auch in Kroatien, der Slowakei sowie in Ungarn. Insgesamt produzierte das Unternehmen im Werk Martorell und anderen Produktionsstätten des Volkswagen-Konzerns 460.040 Seat-Fahrzeuge, das sind 2,1 Prozent mehr als 2002. An Endkunden wurden 460.151 Fahrzeuge verkauft.

Seat kehrte mit dem Toledo Cupra bei den europäischen Tourenwagen-Meisterschaften (ETCC) der FIA zurück in den internationalen Motorsport. Im gleichen Jahr startete Seat ein neues Markenpokal-Konzept. Die Leon-Supercopa-Meisterschaft wird nicht nur im Rundstreckenrennen entschieden, sondern beinhaltet auch Langstreckenrennen und eine Berg-Meisterschaft. Seat erzielte im Geschäftsjahr 2003 einen Gewinn in Höhe von 135 Millionen Euro. Der Altea ist der erste Seat, der seit der Integration der spanischen Marke in die neue Audi-Markengruppe im Jahr 2002 entwickelt wurde.

Mit 61.405 Neuzulassungen im Jahr 2004 lag die spanische Marke auf Niveau des Vorjahres und erreichte einen Marktanteil von 1,81 Prozent. Seit 4. Dezember 2004 war der Seat Toledo in Deutschland erhältlich, der wie der Altea auf der Plattform des VW Golf basiert.

2005 bis 2009Bearbeiten

Am 1. März 2005 wurde am Automobilsalon in Genf der Prototyp des neuen Seat Leon mit 147-kW-Motorisierung (200 PS) vorgestellt. Besonderheiten des Prototyps sind vier Kameras, deren Bild auf zwei Monitoren im Fahrzeug die Rückspiegel ergänzen und die Rundumsicht verbessern sollen.

Im Mai erzielte die spanische Marke in Deutschland einen Marktanteil von 2,1 Prozent. 6421 Fahrzeuge wurden neu zugelassen, 6,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Von Januar bis Mai verzeichnet das KBA insgesamt 24.459 Seat-Neuzulassungen. Der Seat-Marktanteil 2005 liegt bei 1,8 Prozent.

Nach Kritik von Seat-Händlern in Deutschland gibt es Änderungen an der Firmenpolitik: Die Spanier sollen künftig kleinere, sparsamere Modelle bauen; das Jahresziel wurde von 446.000 auf 390.000 Autos gesenkt.

Im Jahr 2007 stellte Seat auf dem Genfer Automobilsalon eine Studie vor, einen Geländewagen namens Altea Freetrack mit Allrad-Antrieb. Laut Financial Times Deutschland sollte noch im gleichen Jahr das Serienfahrzeug und in spätestens 36 Monaten eine Limousine oberhalb des Seat Toledo eingeführt werden, welche auf dem Audi A4 basieren soll. Zudem investiert der Mutterkonzern VW 4,5 Milliarden Euro in seine Tochter Seat. Damit begegnete VW den Gerüchten, die besagten, VW wolle die Tochter Seat an chinesische Investoren abstoßen. Zum Verkauf kam es letztlich nicht.

Seat stellte am 22. Mai 2008 den neuen Seat Ibiza (intern 6J) der Öffentlichkeit vor. Er basiert als erstes Fahrzeug im Volkswagen Konzern auf der neuen Kleinwagen-Plattform des kommenden Polo.

Mit dem Seat Exeo führte Seat im Jahr 2009 die bereits 2007 angekündigte Limousine auf Basis des von 2004 bis 2008 gebauten Audi A4 ein. Ein Kombi-Modell ist seit Sommer 2009 auf dem Markt. Auf der IAA in Frankfurt stand der erste Prototyp des Ibiza ST namens IBZ, der Mini-Kombi kam 2010 auf den Markt.

2010 bis heuteBearbeiten

Im Jahr 2010 feierte die Seat S.A. Ihren 60.Geburtstag und brachte die 2. Generation des Alhambra auf den Markt. Außerdem wurde die aktuelle Ibiza Baureihe um den Ibiza ST (SportsTourer) erweitert. Mit der Einführung des Seat Mii Ende 2011, stieg Seat seit dem Ende der Arosa-Baureihe wieder in die Klasse der Kleinstwagen ein. Der Seat Mii ist eine Adaption des VW Up! und gehört zur New Small Family innerhalb des Volkswagen Konzerns. Auf dem Genfer Auto-Salon 2012, präsentierte Seat das Facelift des Seat Ibiza und eine Seriennahe Studie des nächsten Seat Toledo. Während der Ibiza bereits kurz nach der Präsentation bestellbar ist, wird der Toledo erst Anfang 2013 auf den Markt kommen und auf dem Škoda Rapid basieren. Die dritte Generation des Seat Leon feierte am 27. September auf dem Pariser Automobil-Salon seine Premiere und kam am 24. November 2012 zu den Händlern. Der Leon ist das erste Modell mit dem neuen Markenlogo. Aufgrund weiterhin schlechter Absatzzahlen und hohen Verlusten, teilte am 15. April 2013 die Volkswagen AG mit, dass der bisherige Präsident und CEO James Muir zum 1. Mai 2013 durch Jürgen Stackmann abgelöst wird. [1] Ebenfalls lief im Mai 2013, nach lediglich vier Jahren, die Produktion des Seat Exeo ohne Nachfolger aus. Als Ersatz dient der Seat Toledo und der zukünftige Seat Leon ST. Zur Erweiterung der Leon-Baureihe wird im Juli 2013 der dreitürige Leon SC (SportCoupe) eingeführt.

Kurz nach Einführung des Seat Leon ST (SportsTourer) im November 2013, weihte die SEAT S.A. nach drei Jahren Bauzeit, einen 27,6 Hektar großen und mit 53.000 Photovoltaik Panelen ausgestatteten Solarpark ein. Der Solarpark erstreckt sich verteilt über das gesamte Werk in Martorell und vermeidet so den Ausstoß von 7.000 Tonnen Kohlendioxid. Mit dem Solarstrom soll zukünftig 25 % der Leon Produktion CO2 neutral produziert werden. [2]

Logos der SEAT S.A.Bearbeiten

ModelleBearbeiten

Zeitleiste der Seat-Modelle von 1950 bis heute
Typ 19531982 Lizenz-Fahrzeuge von Fiat ab 1982 Kooperation und später Teil von VW
1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4
Kleinstwagen 600 / 600E Panda Marbella
600 D / 800 Arosa[1] Mii[7]
Kleinwagen 850 133
127 Fura Ibiza I (021A) Ibiza II (6K)[2] VW Ibiza III (6L)[2] Ibiza IV (6J)[2]
Kompaktklasse / Untere Mittelklasse 124 Cordoba I (6K/C)[2] VW Cordoba II (6L/C)[2]
128 (3P) Ritmo Ronda Leon I[3] (1M) Leon II[3] (1P) Leon III[3]
Malaga Toledo I[3] (1L) Toledo II[3] (1M) Toledo III[3] (5P) Toledo IV[8]
Mittelklasse 1430 131
1400 1500 132 Exeo[6] (3R)
Coupé 1200 / 1430 Sport Coupé Lancia Beta
124 Sport Coupé
Kastenwagen Terra Inca (9KS)[4] VW
Kompaktvan Altea/Altea XL[3] (5P)
Van Alhambra I[5] (7MS) Alhambra II[5] (7N)
  • Weitgehend baugleich mit einem Fiat-Modell
  • Weiterentwicklung eines Fiat-Modells, oder darauf basierend
  • Eigenentwicklung von Seat
  • Baugleich mit einem Lancia-Modell
  • Basierend auf VW-Plattform: [2]/[4]: VW Polo, [3]: VW Golf
  • Weitgehend baugleich mit einem VW-Modell: [1]: VW Lupo, [5]: VW Sharan, [7]: VW up!
  • Weitgehend baugleich mit einem Audi-Modell: [6]: Audi A4 B7
  • Entwickelt von Škoda Auto und weitgehend baugleich mit dem Škoda-Modell: [8]: Škoda Rapid

VW: Modell wurde mehr oder weniger modifiziert auch als VW angeboten

Seat 850 Spyder

Fiat-LizenzbautenBearbeiten

Eigenentwicklungen auf Fiat-BasisBearbeiten

Seat Ronda
Seat Toledo

Modelle auf VW-BasisBearbeiten

Modelle auf Audi-BasisBearbeiten

  • Seat Exeo (2009 bis 2013; modifizierter Audi A4 B6/B7)
Seat IBL auf der IAA 2011

Modelle auf Škoda-BasisBearbeiten

Seat Motorsport ModelleBearbeiten

Seat Tribu, Studie auf der IAA 2007
Seat Tango, Studie auf der IAA 2001

StudienBearbeiten

Seat-Umbauten von EmelbaBearbeiten

ProduktionsstandorteBearbeiten

Land Unternehmen Standort Modelle Stückzahl (2012)[3]
SpanienSpanien Spanien Seat SEAT S.A. Martorell Ibiza
Ibiza SC
Ibiza ST
155.037
León
León SC
León ST
69.755
Altea
Altea XL
Altea Freetrack
25.726
Exeo
Exeo ST
10.240
Audi Q3 106.160
Motoren nur Montage
Barcelona
(Zona Franca)
Karosserie-Teile n.a.
Seat Gearbox del Prat
(Tochter der SEAT S.A.)
Prat Getriebe
Gießerei
n.a.
PortugalPortugal Portugal VW Volkswagen AutoEuropa Palmela Alhambra 19.011
SlowakeiSlowakei Slowakei VW Volkswagen Slovakia Bratislava Mii 25.604
TschechienTschechien Tschechien Skoda ŠKODA AUTO a.s. Mladá Boleslav Toledo 3.550
  • Fertigung vom Komponenten

Am Standort in der Zona Franca, einem Industriegebiet am Hafen von Barcelona, unterhält Seat im Gebäude Nr. 122 eine Sammlung verschiedener Serienfahrzeuge, Prototypen und Rennwagen der Marke, die aber bisher (Stand August 2011) nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist.[4]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Seat-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neuer Chef für Seat, aufgerufen am 18. April 2013
  2. Pressemitteilung der Volkswagen AG zur Solaranlage von Seat
  3. Seat Annual-Report 2012Seite 103, aufgerufen am 24. Juli 2013
  4. Tom Debus: Zeitreise in der Zona Franca. Skurrilitäten von Seat. In: FAZ.NET. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 16. August 2011, abgerufen am 10. Januar 2013.







Creative Commons License