Simon Petrus

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Heiliger Peter ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Andere Heilige des Namens siehe Sankt Peter.
Der heilige Petrus, Enkaustik-Ikone aus dem 6. Jahrhundert, Katharinenkloster (Sinai)

Simon Petrus (* in Galiläa, Datum unbekannt; † um 6567, möglicherweise in Rom) war nach dem Neuen Testament (NT) einer der ersten Juden, die Jesus von Nazaret in seine Nachfolge berief. Er wird dort als Sprecher der Jünger bzw. Apostel, erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, erster männlicher Augenzeuge des Auferstandenen und als einer der Leiter („Säulen“) der Jerusalemer Urgemeinde dargestellt.

Hinzu kommen Notizen von Kirchenvätern, wonach er erster Bischof von Antiochia sowie Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll.

Simons Historizität wird aufgrund übereinstimmender Angaben in den frühesten Textbestandteilen der Evangelien und archäologischer Funde angenommen. Das NT überliefert jedoch nur wenige als zuverlässig geltende biografische Details über ihn. Spätere Notizen werden vielfach als legendarisch angesehen.

Die Römisch-Katholische Kirche führt den Primatsanspruch des Papsttums über die Gesamtkirche auf die Annahme zurück, Christus habe Petrus und dieser den Bischöfen von Rom einen Vorrang als Leiter, Lehrer und Richter aller Christen gegeben. Die übrigen Kirchen lehnen diesen Anspruch ab. Jedoch gilt Petrus auch für die altorientalischen, orthodoxen, altkatholischen sowie die anglikanischen Kirchen als erster Bischof von Rom und als Heiliger. Die evangelischen Kirchen erinnern mit einem Gedenktag an ihn.

QuellenlageBearbeiten

Alle Quellen zu Simon Petrus stammen von Christen. Mögliche biografische Informationen finden sich vor allem in den Evangelien, den Paulusbriefen, weiteren Apostelbriefen und der Apostelgeschichte des Lukas. Sie teilen diese Daten im Rahmen missionarischer und theologischer Verkündigungsabsichten mit. Daher unterliegen sie dem allgemeinen Vorbehalt, fiktionale Konstrukte oder „intentionale Geschichte“ zu sein.

Zusätzliche Angaben zu Simon Petrus finden sich vor allem im Ersten Clemensbrief, bei Irenäus von Lyon, Tertullian und Eusebius von Caesarea. Sie stammen aus dem 2. bis 4. Jahrhundert und verfolgen damalige kirchenpolitische Interessen, als in der Auseinandersetzung mit Häresien der Bibelkanon, das monarchische Bischofsamt und die Idee der Apostolischen Sukzession entwickelt wurden. In diesem Kontext arbeiten sie zum einen die Bedeutung des Petrus für die Vorrangstellung Roms vor den übrigen Patriarchaten aus und stellen ihn zum anderen als Beispiel für den „sündigen Heiligen“ dar, dessen Versündigung, Reue und Buße zeige, dass allen Menschen das Heil offenstehe.[1]

Apostelakten zu Simon Petrus werden weitgehend als Legenden, nicht als historische Quellen beurteilt.

Archäologische Zeugnisse für eine Petrusverehrung in Rom stammen aus dem 1. Jahrhundert. Ob sie seinen Aufenthalt und sein Begräbnis dort belegen, ist stark umstritten.

Angaben im Neuen TestamentBearbeiten

NameBearbeiten

Alle Evangelien kennen den Jünger unter dem Namen Simon; Jesus redet ihn bis auf eine Ausnahme (Lk 22,34 EU) immer so an. Es handelt sich um die griechische Form des biblischen Namens Simeon (hebr. Schim’on), dem Tanach zufolge einer der Söhne Jakobs und Stammvater eines der Zwölf Stämme Israels. Patriarchennamen waren unter palästinischen Juden dieser Zeit besonders beliebt und wurden häufig auch in der griechischen Übersetzung verwendet.[2] Da auch Simons Bruder Andreas einen griechischen Namen trägt, scheint diese Namensform die ursprünglichere zu sein.[3] Apg 15,14 EU und 2 Petr 1,1 EU nennen ihn Symeon, eine Gräzisierung der hebräischen Namensform.

In Mt 16,17 EU nennt Jesus seinen Jünger mit Vatersnamen Simon bar Jona („Simon, Sohn des Jona“). Zu möglichen politischen Konnotationen dieser Anrede und zu der Frage, ob der Vater der beiden Apostel Jona oder, wie es an anderer Stelle im Neuen Testament heißt, Johannes (hebr. Jochanan) geheißen haben kann, gibt es verschiedene Theorien (siehe unten, Abschnitt „Herkunft und Berufung“).

Paulus von Tarsus nennt den Apostel stets Kephas, eine gräzisierte Form des auch in den Evangelien überlieferten Beinamens Kefa (Kēp’, in hebräischen Buchstaben כיפא), ein aramäisches Wort, das als Eigenname kaum belegt ist und eigentlich „Stein“ bedeutet. Gal 2,7 f. übersetzt den Namen einmal ins Griechische zu πέτρος (Petros), was ebenfalls „Stein“ bedeutet und mit dem griechischen Wort für „Fels“ (πέτρα) verwandt ist. Im Hebräischen hat das Wort kēp (כֵּף) ebenfalls die Grundbedeutung „Fels“ oder „Stein“. Sowohl das semitische als auch das griechische Wort bezeichnen einen gewöhnlichen Naturstein (Wurfstein, Bruchstein, Kieselstein), im Hebräischen auch einen Felsen (z. B. Jer 4,29 EU), im Aramäischen kann (seltener)[4][5][6] ebenfalls ein Felsen, Felsbrocken oder eine Felsenspitze[2] gemeint sein.

Jesus selbst soll Simon den Beinamen Kefa verliehen haben; wo und wann, überliefern die Evangelien unterschiedlich. Einige Exegeten nahmen an, Simon habe den Beinamen erst als Apostel der Urgemeinde angenommen, und dies sei nachträglich auf Jesus zurückgeführt worden (vgl. Joh 1,42).[7] Die meisten Forscher (darunter Peter Dschulnigg[8], Joachim Gnilka[9], Martin Hengel[10], John P. Meier[2], Rudolf Pesch[6]) gehen jedoch davon aus, dass Simon diesen Beinamen bereits im ersten Jüngerkreis trug, da Kephas in einigen der ältesten NT-Schriften als eigentlicher Name (Gal 2,9 EU) oder von Anfang an verwendeter Beiname (Mk 3,16 EU; Mt 4,18; 10,2) des Apostels erwähnt ist. Auch wird zumeist angenommen, dass ihm der Beiname tatsächlich von Jesus gegeben wurde.[11] John P. Meier weist darauf hin, dass die Evangelien eine Nennung des Namens Petrus oder Kephas im Munde Jesu an vielen Stellen auffällig vermeiden; er hält es für denkbar, dass dieser Name für den Gebrauch im Verhältnis unter den Jüngern, aber nicht im Verhältnis zu Jesus bestimmt war.[12]

Vermutet wurde auch, der ursprüngliche Sinn des Namens erschließe sich aus der angenommenen Wortbedeutung „Edelstein“ im Aramäischen, was die besondere Rolle Simons als Wortführer der Erstberufenen hervorheben könnte. Die Sinnverschiebung zu „Fels“ als Fundament der Kirche sei dann als nachösterliche Umdeutung zu verstehen.[13] Die im Anschluss an Rudolf Pesch[6] vermutete Übersetzung von kefa als „Schmuckstein“ oder „Edelstein“ zur (auszeichnenden) Benennung einer Person ist vom Aramäischen her jedoch nicht hinreichend zu belegen, da der Gebrauch der aramäischen Wurzel kp als Personenname nicht nachgewiesen ist[2] und überhaupt kaum Beispiele einer Verwendung des Wortes in der Bedeutung „Edelstein“ bekannt sind, in denen dieses Verständnis nicht durch Zusammensetzungen[5], attributive Zusätze (etwa „guter Stein“[4] im Sinne von „edel“ oder „wertvoll“) oder einen eindeutigen Kontext nahegelegt würde.

Der protestantische Heidelberger Judaist und Talmud-Übersetzer Reinhold Mayer[14] vermutet, der Namensgebung durch Jesus liege neben dem Gedanken an den Grundstein des Jerusalemer Tempels eine ironische Anspielung auf den ungewöhnlichen Namen des zu seiner Zeit amtierenden Hohenpriesters Kajaphas (קיפא) zugrunde. Die in griechischer Umschrift verschieden vokalisierten Namen Kaiphas und Kephas unterscheiden sich in hebräischer Schrift nur in den anlautenden Konsonanten (Koph bei Qajfa statt Kaph bei Kefa), die sehr ähnlich klingen. Damit wohne dem Namen ein (möglicherweise durchaus ernst gemeinter) Anspruch auf die Ablösung des Hohenpriesters durch den Führer der Zwölfergruppe um Jesus inne, der selbst im Rahmen seines Messianismus den Königstitel für sich beanspruchte.

Ähnlich wie Jesus Christus wurde auch Simon Petrus spätestens mit der lateinischen Bibelübersetzung Vulgata (um 385) zum Eigennamen.

Herkunft und BerufungBearbeiten

Petrus als Fischer über dem Portal der Kirche Sant Pere in Figueres

Simon stammte wie Jesus aus Galiläa und war an seiner Sprache als Galiläer erkennbar (Mk 14,70 par.). Er gehörte zu den ersten Jüngern, die Jesus in seine Nachfolge berief. Fast alle Überlieferungen berichten über die Zeit seit dieser Berufung, nur wenige über seine Herkunft.

Sein Vater wird namentlich erwähnt: In Mt 16,17 EU spricht Jesus Simon als barjona, also auf Aramäisch als „Sohn des Jona“ an. Nach Joh 1,42 EU hieß sein Vater Johannes. Das könnte die griechische Version des aramäischen Namens sein oder den „geistlichen Vater“ Johannes den Täufer meinen. Als Adjektiv bedeutet barjona auch „impulsiv“ oder „unbeherrscht“. Darin sehen einige Exegeten einen Hinweis auf eine mögliche frühere Zugehörigkeit Simons zu den Zeloten, da im späteren Talmud jüdische Freiheitskämpfer als barjonim (Plural) bezeichnet wurden.

Simon hatte einen Bruder namens Andreas, der wohl der Jüngere war, da alle Apostellisten ihn nach ihm nennen. Sie waren Fischer am See Genezareth. Nach Mk 1,16 traf Jesus sie am Seeufer beim Auswerfen ihrer Fischernetze und forderte sie auf, ihm nachzufolgen. Daraufhin hätten sie die Netze verlassen und seien ihm gefolgt. Bei der Berufung der übrigen zehn habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben (Mk 3,16 EU).

Simon war verheiratet; den Namen seiner Frau erfährt man nicht. Er wohnte zusammen mit ihr, ihrer Mutter und seinem Bruder Andreas in einem eigenen Haus in Kafarnaum (Mk 1,21.29 f.; Lk 4,38; Mt 8,14). Auf dessen Überresten könnten Urchristen eine ihrer ersten Pilgerstätten errichtet haben. Dies vermuten einige Archäologen, da unter einer byzantinischen achteckigen Kirche aus dem 5. Jahrhundert Mauerreste aus dem 1. Jahrhundert ausgegraben wurden. Der einzige klare Hinweis auf ein Petrushaus, das früh als Hauskirche genutzt worden sein könnte, sind allerdings Kalkinschriften, die Jesus mit Hoheitstiteln sowie Petrus nennen und Spuren kultischer Zusammenkünfte zeigen.[15] Sie stammen frühestens aus dem 3. Jahrhundert.[16]

Nach Mk 1,31 heilte Jesus Simons Schwiegermutter, worauf diese den Jüngern diente. Obwohl Jesus Simon wie die übrigen Jünger aufforderte, alles zu verlassen (Mk 10,28 f.), traf Paulus ihn und andere Apostel um das Jahr 39 in Jerusalem mit ihren Ehefrauen an (1 Kor 9,5). Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (Mt 5,32), kann Simons Frau wie andere Frauen aus Galiläa (Mk 15,41; Lk 8,2) mit ihm umhergezogen sein.

Nach Lk 5,1–11 wurde Simon zum „Menschenfischer“ berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung folgt einem unerwartet großen Fischfang, nach dem Simon bekennt: „Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch.“ Hier nennt Lukas ihn erstmals Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf (Lk 6,14). Er erklärt den Beinamen ebenso wenig wie Markus. Nach Apg 10,14.28 beachtete Simon jüdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden.

Auch nach Mt 4,18 wird Simon ab seiner Berufung beiläufig „Petrus“ genannt. Matthäus stellt den Beinamen erst heraus, nachdem Simon Jesus als den Messias bekannt hatte und dieser ihm daraufhin zusagte, er werde seine ecclesia auf „diesen Felsen“ bauen (Mt 16,16 ff.).

Nach Joh 1,44 kamen Petrus und sein Bruder aus Bethsaida. Ob hier der Geburts- oder nur ein früherer Wohnort gemeint ist, bleibt offen. Andreas soll als Jünger Johannes des Täufers Jesus zuerst getroffen, ihn als Messias erkannt und dann seinen Bruder Simon zu ihm geführt haben. Jesus habe diesem sofort, als er ihn sah, den Beinamen „Kephas“ verliehen (Joh 1,35–42).

Nach allen Evangelien war Simon Petrus im Jüngerkreis eine Führungsfigur. Er steht in allen Apostellisten im NT an erster Stelle; auch dort, wo er mit Jakobus dem Älteren und Johannes zusammen genannt wird. Er gehörte demnach zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahestanden. Sie galten nach Mk 9,2–13 (Verklärung Christi) als die einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Getsemani (Mk 14,33).

ChristusbekennerBearbeiten

Nach Mk 8,29 ff. EU beantwortet Petrus Jesu Frage an seine Jünger, für wen sie ihn halten, mit dem Glaubensbekenntnis: Du bist der Messias! Dieser Titel erscheint hier das erste und einzige Mal im Munde eines der Jünger, gefolgt vom Schweigegebot Jesu an sie alle, diesen Glauben an ihn nicht öffentlich zu verbreiten (V. 30). Petrus spricht hier also stellvertretend für alle Erstberufenen.

Doch gleich darauf, nachdem Jesus den Jüngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankündigte, „nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren“ (V. 32). Er habe also versucht, Jesus von diesem Weg ans Kreuz abzubringen. Daraufhin habe Jesus ihn schroff zurechtgewiesen (V. 33):

„Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“

„Satan“ bedeutet im Hebräischen „Gegner“ oder „Widersacher“. Petrus wird hier mit dem Versucher Jesu in der Wüste verglichen, der den Sohn Gottes ebenfalls von seinem Leidensweg abhalten wollte (Mt 4,1–11); er wird auch an anderen Stellen des NT in die Nähe des Satans gerückt (Lk 22,31).

In der matthäischen Variante (Mt 16,16) antwortet Simon:

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Damit wiederholt er hier das Bekenntnis aller Jünger zur Gottessohnschaft Jesu, das diese nach Jesu Stillung des Sturms ablegen (Mt 14,33). Wie bei Markus folgt auch hier kein weiteres Christusbekenntnis der Jünger, sondern später Jesu eigene Bejahung der Messiasfrage im Verhör durch den Sanhedrin (Mk 14,62; Mt 26,63).

Empfänger der FelsenzusageBearbeiten

Nach Mt 16,18 EU beantwortete Jesus Simons Christusbekenntnis mit einer besonderen Zusage:

„Ich aber sage dir: Du bist Petrus [griech. petros und auf diesen Felsen [griech. petra werde ich meine Kirche ecclesia bauen und die Mächte pulae, wörtlich Tore] der Unterwelt hades werden sie nicht überwältigen.“

Dieser Vers ist im NT einmalig. Umstritten ist bis heute unter anderem, ob es sich um ein echtes Jesuswort handelt, wann und warum es entstanden ist, woher die einzelnen Ausdrücke stammen und was sie hier bedeuten.

Das in der altgriechischen Literatur selten anzutreffende Wort petros bezeichnete wie das aramäische kefa in der Regel einen einzelnen Naturstein, runden Kiesel oder Brocken, nicht dagegen einen als Baugrund geeigneten Fels; petra hingegen bedeutet Felsen (als einzelner Felsen oder als Felsgrund, unter Umständen kann auch der in eine Mauer eingefügte, behauene Steinblock bezeichnet sein[17]). Unter den Sprüchen von der Nachfolge findet sich in Mt 7,24 EU das Gleichnis von dem Mann, der sein Haus „auf den Felsen“ (epi tän pétran) gebaut hat, was üblicherweise generisch mit „auf Fels gebaut“ wiedergegeben wird. An dieses Jesuswort könnte auch Mt 16,18 angelehnt sein, falls es sich um eine nachträgliche Bildung handelt.

Der Ausdruck „Stein“ lässt jüdische Metaphern anklingen: So war der „heilige Stein“ im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels in der biblischen Zionstradition zugleich Eingang zur Himmelswelt, Verschlussstein gegen die Sintflut und die Totenwelt (z. B. Jes 28,14–22). Jedoch wurde dieser Stein nicht „Felsen“ genannt und nie als Baufundament dargestellt.

Evangelikale Ausleger, die eine Grundlegung des Petrusamtes im Felsenwort ablehnen, vertreten daher häufig die Meinung, in Mt 16,18 beziehe sich nur der Name Petros („Stein“) auf Simon Petrus selbst, während sich das Wort petra („Felsen“) auf Christus beziehe, der selbst das Fundament seiner Kirche ist. Diese Ausleger untermauern ihr Verständnis mit Verweis auf andere Bibelstellen, in denen sich Jesus mit einem Eckstein (kephalé gōnías, „Haupt der Ecke“ nach Ps 118,22 EU) oder Baustein (lithos) vergleicht (Mt 21,42 EU par) oder als solcher bezeichnet wird (1Petr 2,4). Von der Syntax der Aussage in Mt 16,18 her ist diese Deutung allerdings nicht nachvollziehbar, da der Ausdruck „dieser Felsen“ im zweiten Teilsatz eindeutig auf den zuvor genannten Petros bezogen ist und nicht auf den Sprecher (Jesus) selbst. Der semantisch nicht bruchlose Übergang vom Eigennamen Petros (übersetzt „Stein“) zu petra („Felsen“) und dessen Bezeichnung als Baugrund stellt sich vielmehr als Wortspiel dar, das die nahe Verwandtschaft der beiden Wörter thematisiert, ohne den Bezug zu der angesprochenen Person aufzugeben. Ob dieses Wortspiel bzw. eine doppelsinnige Verwendung des Begriffs kefa auch im Aramäischen möglich ist[18], was die Voraussetzung dafür wäre, um das Wort für ursprünglich jesuanisch zu halten, ist strittig.

Ekklesia (wörtlich „die Herausgerufene“, von dem griechischen Verb kalein, „rufen“) bezeichnete im profanen Griechisch die einberufene Versammlung von Bürgern. In der Septuaginta wird der hebräische Begriff kahal mit ekklesia ins Griechische übersetzt, was in der Zusammensetzung mit Gott (Kyrios) das erwählte Gottesvolk Israel meint, wobei das Motiv der Sammlung Israels („Rückrufung“ aus dem Exil) begrifflich durchscheint. Im Kontext von Mt 16,14 f. ist der Ausdruck auf den Zwölferkreis bezogen, die erstberufenen zwölf Jünger Jesu, die in den Evangelien die Nachkommen der Zwölf Stämme Israels repräsentieren, d. h. das endzeitlich versammelte Israel als Ganzes. In den frühen Briefen des NT wird das Wort zunächst als Bezeichnung der einzelnen Christengemeinde verwendet, wiewohl in 1 Kor 12,28 EU ein weiteres Verständnis bereits bei Paulus anzuklingen scheint. Ausdrücklich als Bezeichnung für die Gesamtheit der Christen (Universalkirche) wird der Ausdruck erst in den vermutlich später entstandenen deuteropaulinischen Briefen (Kol 1,18 EU, Eph 5,23 EU) benutzt.

Der Ausdruck „meine ekklesia“ ist nur an dieser Stelle als Ausspruch Jesu überliefert. Dies ist ein Hauptargument gegen die Echtheit des Logions, denn es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass der historische Jesus eine Bezeichnung zur Charakterisierung seiner Gefolgschaft verwendet haben könnte, die sich im Griechischen mit ekklesia wiedergeben ließe. Zudem erscheint der Vers redaktionsgeschichtlich als Einschub in die Vorlage Mk 8,27–30. Der Ekklesia-Begriff verweist nach Karl Ludwig Schmidt ursprünglich auf eine Sondergemeinschaft innerhalb des Gottesvolks, die sich (ähnlich wie die Qumran-Gemeinschaft) als „Auserwählte“ in dem erwarteten Endgericht (Mk 13,20 ff.) bzw. Ausgesonderte („Heilige“, vgl. Apg 9,13.32.41 u. a.) begriffen haben könnte,[19] zugleich aber Teil des Judentums blieb und die Toragebote und den Tempelkult nicht aufgab. Demnach wäre eine Entstehung im judenchristlichen Umfeld denkbar.

„Tore des Hades“ war im Hellenismus eine feste Redewendung für den Ort, an den Gestorbene gelangten. Hinter jedem Sterblichen („Fleisch und Blut“) schlossen sie sich unwiderruflich (Jes 38,10).

Für Hans Conzelmann stammt der Vers aus einer von Petrus gegründeten Gemeinde in Syrien oder Kleinasien, die Jesus das Wort nach Petri Tod in den Mund gelegt habe. Denn hier würden die „Pforten der Unterwelt“ der Auferstehung der Christusbekenner und Fortdauer ihrer Gemeinschaft über den Tod des Einzelnen hinaus gegenübergestellt.[20]

Ulrich Luz deutet „meine ekklesia“ als das gesamte Christentum, da Jesus nur eine Gemeinde bauen könne und die Zusage an das verbreitete biblische Bild vom Hausbau des Gottesvolks anschließe (Mt 7,21). Der Vers sei ein griechisches Wortspiel, kein ins Griechische übersetzter aramäischer Satz. Der frühe Beiname Simons, Kefa, den Jesus ihm gegeben haben könnte, werde hier im Rückblick auf sein schon abgeschlossenes Wirken als Apostel gedeutet. Da auch andere NT-Stellen (Eph 2,20; Offb 21,14) von Aposteln als Baufundament der Kirche sprechen, sei der Vers wahrscheinlich nachösterlich in einer griechischsprechenden Gemeinde entstanden.[21] Die Zusage Jesu, dass die ekklesia nicht „überwältigt“ werde, versteht Luz im Anschluss an Karl Barth als eine vergleichende Aussage: Die Tore der Unterwelt, Inbegriff des Totenreichs, das kein Sterblicher von sich aus wieder verlassen kann, sind diesem Logion zufolge nicht stärker als die auf den Felsen gebaute Kirche. Dieser wird Bestand bis zum Weltende verheißen, da Jesus ihr seine Gegenwart auch in der Zukunft (nach Tod und Auferstehung) verspricht (Mt 28,20).

ChristusverleugnerBearbeiten

Petrus und der Hahn (Miniatur aus dem Chludow-Psalter, 9. Jahrhundert)

Dem Christusbekenntnis des Petrus und seiner Zurechtweisung folgt Jesu Jüngerbelehrung (Mk 8,34 EU):

„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“

Diese Einladung zur Kreuzesnachfolge ist Hintergrund für das spätere Versagen des Petrus im Verlauf der Passion Jesu, als er, um sein Leben zu retten, nicht sich, sondern Jesus verleugnete (Mk 14,66–72).

Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte (Mt 14,29 ff.). Laut Joh 13,6–9 wollte er sich nicht die Füße von Jesus waschen lassen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also dagegen, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Die Fußwaschung war jedoch symbolische Anteilgabe am Heil und mit dem Auftrag Jesu an alle Jünger verbunden, einander ebenso zu dienen.

Jesus kündigte Petrus auf dem Weg zum Ölberg (nach Lk beim letzten Mahl Jesu) an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich (Mk 14,27–31 EU par.):

„Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen. Das gleiche sagten auch alle anderen.“

Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemani den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte und erbat (Mt 26,40.43 f.). Dann soll er nach Joh 18,10 mit Waffengewalt Jesu Verhaftung zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache laut Mk 14,47 ein Ohr abhieb. Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing (Mk 14,62). Als das Krähen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen (Mk 14,66–72).

Petrus fehlte demnach die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Erst nach Pfingsten trat er laut Apg 5,29 als todesmutiger Bekenner vor dem Hohen Rat auf, der die Sendung des Heiligen Geistes als Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte. Paulus dagegen berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mit Heiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue „heuchelte“, statt nach der „Wahrheit des Evangeliums“ zu wandeln (Gal 2,11–14).

Einige Exegeten schließen daraus auf seinen ambivalenten Charakter. Andere sehen Petrus als Beispiel für das Verhalten aller Jünger, die Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes verließen (Mk 14,50). Er steht im NT für das dichte Beieinander von Glauben und Unglauben, Zeugendienst und schuldhaft verweigerter Kreuzesnachfolge in der ganzen Kirche.

Zeuge des AuferstandenenBearbeiten

Codex Egberti, fol. 90r. stellt Joh 21,1–19 dar: Jesus offenbart sich den vom wundersamen Fischzug zurückkehrenden Jüngern

Petrus ist im NT einer der Ersten, dem der auferstandene Jesus begegnete. Als Ausgangspunkt der Osterüberlieferung des NT gelten frühe Bekenntnissätze der Urchristen wie Lk 24,34 EU:

„Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“

Den Satz sprechen im Erzählkontext die in Jerusalem versammelten Jünger, bevor der auferstandene Jesus auch ihnen erscheint. Die Liste der ersten Osterzeugen, die Paulus aus der Jerusalemer Urgemeinde übernahm, bestätigt dies (1 Kor 15,5 EU):

„… und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“

Auch Mk 16,7 nennt Petrus neben den anderen Jüngern als Adressaten einer Jesuserscheinung in Galiläa. Doch davon berichten die Evangelien sonst nichts.

Nach Joh 20,11–18 sah, erkannte und verkündete Maria Magdalena, nicht Petrus, den Auferstandenen zuerst. Nach Joh 20,1–10 entdeckte sie allein zuvor das leere Grab Jesu und berichtete Petrus und dem Lieblingsjünger Jesu davon. Darauf liefen diese um die Wette zum Grab, betraten es und entdeckten darin die Leinenbinden und das aufgewickelte Schweißtuch des Gekreuzigten. Danach seien sie wieder „nach Hause“ gegangen. Laut Joh 20,19–23 erschien der Auferstandene erst am Abend desselben Tages allen versammelten Jüngern.

Das später ergänzte Schlusskapitel Joh 21,1–19 berichtet, Jesus sei Petrus und sechs weiteren Jüngern aus dem Zwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in Galiläa nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde (Lk 5,1–11), so erkennt er auch diesmal durch den übergroßen Fischfang, dass Jesus der auferstandene Kyrios ist. So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: „Liebst du mich?“, was er jedes Mal bejaht. Daraufhin erhält Petrus dreimal den Befehl: „Weide meine Schafe!“ und den erneuten Ruf „Folge mir nach“. Dies deuten Exegeten als Hinweis darauf, dass die Verleugnung Jesu durch Petrus noch 100 Jahre später Anstoß erregte und theologisch verarbeitet werden musste.[22]

Der später angehängte Schluss des Markusevangeliums (Mk 16,9–20) versucht die verschiedenen Erscheinungsberichte in eine harmonische Abfolge zu bringen. Er folgt Joh 20 und nennt Maria von Magdala als erste Augenzeugin des Auferstandenen. Aus solchen Unterschieden in den Ostertexten der Evangelien schließen NT-Historiker meist, dass Erscheinungen Jesu und Entdeckung seines leeren Grabes ursprünglich unabhängig voneinander überliefert und dann auf verschiedene Weise kombiniert wurden, um das Jüngertreffen zu erklären.

Missionar der UrgemeindeBearbeiten

Fast alle Nachrichten vom nachösterlichen Wirken des Petrus stammen aus der Apostelgeschichte. Nach Apg 1,2 ff. im Anschluss an Lk 24 entstand die Jerusalemer Urgemeinde durch die Erscheinung des auferstandenen Jesus Christus vor den versammelten elf Jüngern in Jerusalem und das Wirken des Heiligen Geistes im Pfingstwunder. Nach Apg 1,4.13 hielten sich die zwölf Jünger in Jerusalem versteckt, bis sie nach Apg 2,1 ff. der Heilige Geist überkam. Darauf folgt Petri erste öffentliche Predigt in Jerusalem. Sie legt Jesu Erscheinen als Gottes vorherbestimmte Erfüllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte aus und gipfelt in der Aussage (Apg 2,36 EU):

„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“

Daraufhin sollen sich am selben Tag 3000 Menschen zum neuen Glauben bekannt haben. Diese erste Gemeinde der Christen soll nach Apg 2,5 Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasst haben.

Petrus geriet jedoch bald in Konflikt mit den Jerusalemer Behörden und musste sich vor dem Hohen Rat verantworten (Apg 4,8 ff.; 5,29). Dabei soll er seinen Glauben diesmal nicht verleugnet, sondern freimütig bekannt haben; begründet mit dem Satz (Apg 4,20 EU):

„Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“

Diese Formulierung ist eine der Wurzeln der in der Kirchengeschichte häufig verwendeten Phrase Non possumus. Petrus war wohl anfangs ein Vertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte (Gal 2,8; Mt 10,5; vgl. Lk 24,47). Nach der Hinrichtung des Stephanus und Verfolgung seiner Anhänger in der Urgemeinde missionierten Petrus und andere Apostel auch außerhalb Jerusalems. Laut Apg 8,14–25 kam er dabei auch nach Samaria, um bereits Neugetauften den Heiligen Geist zu spenden. Dies unterstreicht seine Autorität über die Urgemeinde hinaus.

Von Petrus werden auch Spontanheilungen und Totenerweckungen analog zu den Heilungswundern Jesu berichtet, etwa in Lydda und Joppe (Apg 9,32–43). Dies betont die Kontinuität zwischen dem Heilwirken Jesu und dem der Urchristen, das zu ihrem Auftrag gehörte (Mk 16,15–20; Mt 10,8).

Rembrandt van Rijn: St. Peter im Gefängnis (1631)

Als Jude, der Christus als Erfüllung jüdischer Verheißungen verkündete, hielt Petrus nach Apg 10,13 f. an den Speise- und Reinheitsgeboten der Tora fest. Doch in einem Traum soll er Gottes Auftrag zur Tischgemeinschaft mit dem Hauptmann Kornelius, einem der „gottesfürchtigen“ Römer, erhalten haben. Somit begann Petrus nach lukanischer Darstellung die urchristliche Heidenmission. Sie löste Konflikte mit anderen Judenchristen aus, die von Nichtjuden das Einhalten jüdischer Gebote verlangten. Nach Apg 10,47 und 11,17 f. verteidigte Petrus die Taufe der Nichtjuden und seine Tischgemeinschaft mit ihnen damit, dass auch sie zuvor den Heiligen Geist empfangen hätten. Dies hätten seine Jerusalemer Kritiker dann anerkannt.

Sebastiano Ricci: Befreiung des heiligen Petrus durch einen Engel (San Pietro, 1710)

Nachdem Pontius Pilatus als Statthalter Judäas abgesetzt worden war (36), verfolgte der jüdische König Herodes Agrippa I. (41–44) die Jerusalemer Urgemeinde und ließ einen ihrer Apostel, Jakobus den Älteren, enthaupten. Dabei verhaftete man auch Petrus und kettete ihn zwischen zwei Bewachern in einer Gefängniszelle an. Doch ein Engel habe ihn auf wunderbare Weise befreit, so dass er seine Mission außerhalb Jerusalems fortsetzen konnte (Apg 12,1–19).

Paulus besuchte die Urgemeinde nach Gal 2 erstmals um 36 und traf dort zunächst nur mit Petrus zusammen. Beim zweiten Besuch (um 48) habe er Petrus, Jakobus den Gerechten und Johannes gemeinsam als „Säulen“ der Urgemeinde angetroffen (Gal 2,9). Bei diesem Apostelkonzil wurde seine gesetzesfreie Heidenmission anerkannt. Petrus trat dabei nach Apg 15,7–11 als deren Fürsprecher auf: So betont Lukas den Einklang zwischen beiden in dieser Frage.

Paulus berichtet jedoch von einem Konflikt mit Petrus nach diesem Treffen in Antiochia (Gal 2,11–14): Petrus habe dort als Vertreter der Urgemeinde zunächst die Tischgemeinschaft mit den neugetauften Nichtjuden geübt, also ihre Taufe anerkannt (vgl. Apg 9,32). Dann aber hätten Anhänger des Jakobus aus Jerusalem dies kritisiert (vgl. Apg 11,3). Daraufhin sei Petrus vor ihnen zurückgewichen und habe die Tischgemeinschaft mit den Nichtjuden beendet. Dafür habe er, Paulus, ihn öffentlich gerügt und an den beim Apostelkonzil erreichten Konsens erinnert, getauften Heidenchristen die Einhaltung der Tora ganz zu erlassen.

Paulus zeichnete damit ein anderes Bild von Petrus als Lukas. Für ihn war er der Vertreter des „Evangeliums an die Juden“, der den Nichtjuden nach der Taufe weiterhin Toragebote auferlegte. Dies sehen einige Exegeten als Hinweis auf nach dem Apostelkonzil fortbestehende Spannungen, die Lukas später zu beschönigen versucht habe.

Notizen zum EndeBearbeiten

Das NT beschreibt weder eine Romreise des Petrus noch seinen Tod. Zwar sagt Jesus in der synoptischen Tradition (u. a. Mk 10,39; 13,9–13) allen Jüngern Verfolgung und Tod voraus; Petrus erklärt öfter seine Bereitschaft dazu (Lk 12,33; Joh 13,37). Aber nur Joh 21,18 f. EU deutet sein besonderes Ende an und setzt ein Wissen davon voraus:

„Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!“

Joachim Gnilka deutet das Gürten als Fesseln der ausgestreckten Hände und das Führen – wörtlich „schleppen“ – an den unerwünschten Ort als Gang eines an ein Querholz Gefesselten zur Kreuzigung. Denn auch Jesu Kreuzestod werde im Johannesevangelium als Verherrlichung gedeutet, so dass die Ankündigung (Joh 13,36) und mehrfache Aufforderung zur Nachfolge (Joh 21,19.22) sich auf ein gleichartiges Martyrium beziehe.[23]

Wo dieses stattfand, sagt das NT nicht. Zu einer Romreise des Petrus nach dem Apostelkonzil macht das NT keine Angaben. Paulus weist im Römerbrief (um 56–60) schon auf römische Verfolgung der dortigen Christen hin (Röm 12) und grüßt einige von ihnen namentlich; der Name Petrus fehlt. Die Apostelgeschichte war als periodisierende Missionsgeschichte nicht an lückenloser Chronologie interessiert, stellt aber den Übergang von der Judenmission der Jerusalemer Apostel zur Heidenmission des Paulus dar und berichtet zuletzt über dessen ungehinderte Missionstätigkeit in Rom (Apg 28,17–31). Der Autor, so urteilen historisch-kritische Neutestamentler, hätte eine Anwesenheit des Petrus dort sicher vermerkt.

Petrus zugeschriebene SchriftenBearbeiten

PetrusbriefeBearbeiten

Das Neue Testament enthält zwei Gemeindebriefe, die Petrus verfasst haben soll. Der 1. Petrusbrief mit seinem „Gruß aus Babylon“ (1 Petr 5,13) galt schon seit 200 als in Rom geschrieben, da „Babylon“ für damals verfolgte Christen wie auch für Juden ein Tarnname für „Rom“ als besonders verdorbene, sündige Weltstadt war (etwa in Offb 14,8; 16,19; 17,5.9 u. a.). Die Gleichung kam jedoch erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 n. Chr. auf, die so mit der ersten Tempelzerstörung durch die Babylonier 586 v. Chr. verglichen wurde. Demnach kann der Brief nicht vorher und somit nicht von Petrus verfasst worden sein.[24] Er wird wegen seiner Märtyrertheologie (1 Petr 4,12–16) meist auf um 100 datiert, als es erste gesamtstaatliche Christenverfolgungen im Römischen Reich gab. Nur christliche Minderheiten wie die Zeugen Jehovas verstehen den Gruß aus Babylon wörtlich und nehmen an, dass Petrus tatsächlich dort missionierte, da er auch sonst jüdische Diasporagemeinden wie Antiochia bereiste. Ob Babylon damals überhaupt noch existierte, ist unbekannt.

Der 2. Petrusbrief autorisiert die Lehren des Paulus als „Testament“ des Autors kurz vor dessen Tod (2 Petr 1,14; 3,15). Er wird heute meist auf 100–130 datiert. Die Aufnahme in den Kanon des NT war wegen ungewisser Autorschaft des Petrus umstritten.

MarkusevangeliumBearbeiten

Papias von Hierapolis führte das Markusevangelium um 110 auf Johannes Markus zurück, der im NT zuerst in Jerusalem (Apg 12), dann im Umkreis von Barnabas und Paulus (Apg 15; Kol 4,10; 2 Tim 4,11; Phlm 1,24) genannt wird. Nur in 1 Petr 5,13 erscheint er als Begleiter des Petrus. Papias zufolge diente er diesem als Dolmetscher in Rom und schrieb nach dessen Lehrreden dort sein Evangelium auf, so dass Petrus dessen eigentlicher Autor sei.

Diese Thesen wurden von anderen frühchristlichen Autoren aufgegriffen, sind sonst aber nirgends belegt. Sie gelten Christentumshistorikern heute meist als patristische Konstruktion, da Petrus nach Gal 1,12–14 eher eine „judaistische“ Theologie vertreten habe, die nicht zur durchgehenden Distanz des Markusevangeliums zum Pharisäismus passe. Sie stimme eher mit der Didache überein, einem um 100 entstandenen frühchristlichen Katechismus. Eine Handschrift bezeichnet sie als „Zeugnis des Petrus“; sie gilt als von Christen umgeformte jüdische Morallehre, die von der von Petrus dominierten Theologie der Urgemeinde beeinflusst sein kann.

ApokryphenBearbeiten

Hinzu kommen einige Petrus zugeschriebene oder über ihn erzählende Apokryphen, die die Alte Kirche nicht in das NT aufnahm:

Die ersten vier dieser Schriften lehnten Eusebius von Cäsarea und das Decretum Gelasianum als häretisch und nichtkanonisch ab. Dennoch waren sie vor allem im östlichen Mittelmeerraum beliebt und regten dort weitere legendarische und apokryphe Petrusschriften an. Dazu gehörten:

  • die Taten des Paulus und Petrus (auch: Pseudo-Marcellus-Akten)
  • die Taten des Petrus und Andreas
  • eine syrische Lehre des Simon Kepha in Rom
  • eine syrische Geschichte des Heiligen Petrus und Paulus
  • eine altslawische Vita Petri
  • ein lateinisches Martyrium beati Petri apostoli a Lino conscriptum
  • ein Auszug aus dem lateinischen Josephus (De excidio urbis Hierosolymitanae)

und weitere Martyrienlegenden über Petrus, die meist auf den Petrusakten aufbauten und bis ins Mittelalter hinein ergänzt wurden.

Unter den koptischen Handschriften aus Nag Hammadi wurden zudem aufgefunden:

  • die Taten des Petrus und der zwölf Apostel
  • ein Brief des Petrus an Philippus
  • eine weitere Apokalypse des Petrus.[25]

Die in diesen Schriften enthaltenen Angaben über Petrus gelten meist als ahistorische, legendarische Motive, die sich weithin auf schon vorliegende Petrustexte des NT stützten und diese fiktiv ausmalten oder ihnen bewusst widersprachen.[26]

Petrus in Rom?Bearbeiten

Petrus und Paulus als Gravur in einer römischen Katakombe, 4. Jahrhundert

Martyrium in RomBearbeiten

Der Erste Clemensbrief, der nach überwiegender Ansicht 90 und 100 während der Regentschaft Kaiser Domitians in Rom entstand, stellt in Kapitel 5 und 6 das vorbildliche Leiden des Petrus und Paulus heraus, dem viele Christen gefolgt seien:

„Wegen Eifersucht und Neid sind die größten und gerechtesten Säulen verfolgt worden und haben bis zum Tode gekämpft. […] Petrus, der wegen ungerechtfertigter Eifersucht nicht eine und nicht zwei, sondern viele Mühen erduldet hat und der so – nachdem er Zeugnis abgelegt hatte – gelangt ist an den (ihm) gebührenden Ort der Herrlichkeit.“

Das deutet erstmals einen gewaltsamen Tod des Petrus in Rom an, ohne dessen genauen Ort und die Umstände zu nennen. „Zeugnis ablegen“ und dann „zur Herrlichkeit gelangen“ waren typische Motive judenchristlicher Märtyrertheologie. Die Notiz erscheint als Rückblick des Bischofs Clemens von Rom. Da es vor Domitian keine gesamtstaatlichen Christenverfolgungen gab, wird sie meist auf die auf Rom begrenzte Verfolgung unter Nero im Jahr 64 bezogen. Der katholische Neutestamentler Joachim Gnilka sieht im Briefkontext folgende Angaben von einer „großen Menge Auserwählter“, darunter Frauen, und deren „grausamen und abscheulichen Misshandlungen“ als Detailkenntnisse von Augenzeugen und schließt daraus auf eine lokale Überlieferung von der neronischen Verfolgung.[27]

Diese geschah nach Tacitus (Annales 15, 38–44) als plötzliche Reaktion auf Bevölkerungszorn wegen des damaligen Großbrands in Rom, ohne Gerichtsverfahren und meist nicht als langwieriges Kreuzigen, sondern Ausliefern der Christen an Raubtiere, Verbrennen bei lebendigem Leib oder Ertränken. Erst danach soll Nero nach Sulpicius Severus Gesetze gegen die Christen in Rom erlassen und ihren Glauben verboten haben. Da Clemens als Motiv „Eifersucht und Neid“ und „viele Mühen“ nennt und Petrus Paulus zur Seite stellt, der als römischer Bürger rechtmäßig an den Kaiser appelliert hatte und ein Einzelverfahren erhielt, nehmen manche Forscher eher eine spätere Hinrichtung des Petrus um 67 an.[28]

Filippino Lippi: Darstellung der Kreuzigungslegende Petri (15. Jahrhundert, Ausschnitt)

Eusebius von Caesarea verwies um 300 auf eine seit etwa 150 bekannte Überlieferung eines Märtyrertodes von Petrus und Paulus in Rom zur Zeit Neros. Bischof Dionysius von Korinth (um 165–175) habe über die beiden Apostel gesagt:

„Und sie lehrten gemeinsam auf gleiche Weise in Italien und erlitten zur gleichen Zeit den Märtyrertod.“

Caravaggio: Kreuzigung des Petrus (Cerasi-Kapelle, Rom, um 1600)

Er überliefert auch die erstmals in den apokryphen Petrusakten im 2. Jahrhundert überlieferte Legende, dass Petrus auf eigenen Wunsch mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sei.[29]

Erster BischofBearbeiten

Andrea Vanni: Mosaikbildnis von Petrus (1390)

Die späteren Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Rom, später auch Jerusalem und Konstantinopel, führten ihre Gründung direkt oder indirekt auf Petrus zurück und beanspruchten ihn als ersten Bischof ihrer Gemeinde, um ihren Rang im Konkurrenzkampf der Patriarchate um die kirchliche Führung zu erhöhen. Das NT stützt keine dieser Bischofsansprüche, die daher als ahistorisch gelten. So widerspricht die etwa einjährige Lehrtätigkeit des Paulus in Antiochia (Apg 13,16 ff.) und sein dortiger Konflikt mit Petrus (Gal 2,11–14) dessen angeblichem Führungsamt in dieser Gemeinde.

Irenäus von Lyon (um 135–202) berichtet, die Apostel hätten die Kirche in der ganzen Welt „gegründet und festgesetzt“.[30] Um diese Zeit wurde die schon bestehende Tradition eines Romaufenthalts von Petrus erweitert zu der Ansicht, er habe die Gemeinde in Rom als Bischof gegründet und geleitet. Dies ist ahistorisch, weil Petrus noch in Jerusalem wirkte, als Paulus nach Apg 18,1 in Korinth Christen aus Rom traf (um 50). Demnach bestand dort bereits eine von keinem der beiden gegründete Gemeinde.

Um 405 fasste Hieronymus (348–420) alle damals umlaufenden Apostellegenden in seiner Schrift Über berühmte Männer zusammen: darunter Romaufenthalt, Bischofsamt und gleichzeitigen Märtyrertod von Petrus und Paulus unter Nero, bei Petrus als Kreuzigung mit dem Kopf zur Erde. Er behauptete eine 25-jährige römische Amtszeit des Petrus vom Amtsantritt des Kaisers Claudius (40) bis zum Ende der Kaiserzeit Neros (68) und widersprach damit den Angaben des NT, wonach Petrus mindestens bis zum Apostelkonzil (um 48) ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde war (Apg 15,7) und danach in Antiochien wirkte (Gal 2,11–14). Seine Konstruktion sollte bereits Führungsansprüche des römischen Bischofs stützen.

Eusebius zitiert in seiner Kirchengeschichte (II. 1) Clemens von Alexandria (150–215):

„Denn sie sagen, dass Petrus und Jakobus und Johannes nach der Himmelfahrt unseres Erlösers, obwohl sie von unserem Herrn bevorzugt waren, nicht nach Ehre strebten, sondern Jakobus den Gerechten zum Bischof von Jerusalem wählten.“

Demnach sollen die drei „Säulen“ der Urgemeinde Jakobus den Gerechten schon früh zum alleinigen Leiter der Urgemeinde ernannt haben. Nach Hieronymus soll schon Hegesippus (90–180) davon gewusst haben. Diese Amtsübergabe hätte eine Romreise des Petrus ermöglicht. Doch wie die Nachwahl des Matthias (Apg 1,26) zeigt, sollte der Zwölferkreis anfangs als gemeinsames Leitungsorgan erhalten bleiben. Nicht Apostel, sondern die Vollversammlung aller Mitglieder der Urgemeinde wählte laut Apg 6,5 und Apg 15,22 neue Führungspersonen. Jakobus trat später nach Apg 21,15 ff. mit den „Ältesten“ zusammen als Leiter der Urgemeinde auf. Das Testimonium Flavianum überliefert, dass er im Jahr 62 vom Hohen Rat gesteinigt wurde. Seine Enkel sollen nach Zitaten Hegesipps bei Eusebius unter Kaiser Domitian verhaftet und verhört worden sein: Dann hatten sie noch zwei Generationen später eine Führungsrolle im Christentum.

Eine Führungsdynastie war den Urchristen der ersten Generation unbekannt und widersprach ihrem Selbstverständnis: Alle Christen waren gemäß Jesu Gebot des gemeinsamen Dienens ohne Rangordnung gleichermaßen die „Heiligen“ (Röm 15,25). Evangelientexte vom Rangstreit der Jünger (u. a. Mk 10,35–45) lehnen ein Führungsprivileg für einzelne der von Jesus Berufenen ab und kritisieren den Wunsch danach als Verleugnung der Selbsthingabe Jesu. Zwar hatten die Zeugen der Ostererscheinungen Jesu die unumstrittene Autorität (1 Kor 15,3–8) als Missionare: Doch nicht sie, sondern Gemeindesynoden trafen Entscheidungen für alle (Apg 15,28 u. a.).

Das monarchische Bischofsamt entstand nach 100; die damals geschriebenen Ignatiusbriefe kennen es noch nicht. Es setzte sich parallel zur Kanonbildung des NT bis 400 allmählich durch und prägte die orthodoxe und später katholische Staatskirche. Es reagierte auf das Wachstum des Christentums und übernahm römische Verwaltungsstrukturen.[31]

Seit etwa 1850 zweifelten Kirchenhistoriker altkirchliche Petrusnotizen zunehmend als ahistorisch an. Karl Heussi bestritt 1955 sämtliche Notizen, die einen Romaufenthalt und ein Bischofsamt des Petrus nahelegen[32], stieß aber bei dem ebenfalls protestantischen Kollegen Kurt Aland auf Widerspruch.[33] Uta Ranke-Heinemann griff Heussis Kritik auf.[34] Dagegen hält Joachim Gnilka eine Leitungsfunktion des Petrus in der Christengemeinde in Rom und seinen Tod unter Nero für möglich, ohne zugleich sein Bischofsamt und eine Bischofsnachfolge anzuerkennen.[35] Otto Zwierlein bestreitet sämtliche literarischen Anhaltspunkte für diese These und betrachtet die gesamte altkirchliche Überlieferung dazu als fiktional.[36]

PetrusgrabBearbeiten

Der Petersdom in Rom

Seit etwa 200 wird eine bestimmte Stelle auf dem vatikanischen Hügel als Petrusgrab verehrt. Kaiser Konstantin der Große ließ von 315 bis 349 darüber die Petersbasilika bauen, die 1507 abgerissen und durch den Bau des Petersdoms ersetzt wurde. Dabei wurde dessen Altar über dem angenommenen Petrusgrab platziert. Die Reste des Grabmonuments sind heute hinter dem Christusmosaik der Palliennische in der Confessio unter dem Papstaltar verborgen.

Grabmal mit Christusmosaik und Palliennische unterhalb des Papstaltars im Petersdom

Das früheste mögliche Zeugnis von Grabstätten des Petrus und Paulus in Rom sah Eusebius in einem Zitat des römischen Presbyters Gaius (Kirchengeschichte II. 25,5–7):[37]

„Ich kann die Tropaia der Apostel zeigen. Denn wenn du zum Vatikan gehen willst oder auf die Straße nach Ostia, wirst du die Tropaia derer finden, die diese Kirche gegründet haben.“

Der griechische Ausdruck Tropaion bezeichnete allerdings meist ein Denkmal oder Siegesmal. Gaius kannte offenbar eine solche bauliche Struktur, die eventuell die angenommenen Hinrichtungsorte beider Apostel markierte, deren Märtyrertod als Sieg gedeutet wurde. Erst Eusebius deutete das Zitat 100 Jahre später als Hinweis auf Grabstätten.[38]

Pius XII. gab die Grotten unter dem Altar des Petersdoms 1940 bis 1949 erstmals für archäologische Grabungen frei. Sie ergaben, dass dort zwei parallele Grabreihen in West-Ost-Richtung am Hang eines Hügels lagen. Sie wurden beim Baubeginn der ersten Petrusbasilika zugeschüttet – ein Vorgang, den nur der römische Kaiser selbst befehlen konnte –, und die Aufschüttung wurde mit Mauern abgestützt: Dieser Aufwand sollte offenbar den Grundriss der Basilika mit einem bestimmten Punkt der Nekropole zur Deckung bringen. Unter ihrem Altar fanden sich Reste eines kleinen Säulenmonuments mit einem Vordach und einer kleinen Nische in der Wand dahinter in einem größeren Grabhof, der auf etwa 160 datiert wurde. Das Grabungsteam gab diese Funde 1951 als Entdeckung des Petrusgrabes bekannt, stieß damit unter Archäologen aber wegen mangelhafter Dokumentation und methodischer Fehler beim Graben auf Ablehnung. Daraufhin erlaubte der Vatikan von 1953 bis 1958 und nochmals 1965 weitere Grabungen, deren Ergebnisse breiter als zuvor dokumentiert und diskutiert wurden.

Man fand unter dem Säulenmonument ein schlichtes Erdgrab aus dem späten 1. Jahrhundert ohne Knochen. Nur dicht darum angeordnete Erdgräber von Christen enthielten Knochen von Personen verschiedenen Alters und Geschlechts. Die Anordnung gilt einigen Forschern als Hinweis auf eine Verehrung dieser Stelle als Petrusgrab um 150. Vermutet wird, dass die Nische seit etwa 140 einen runden Gedenkstein – cippus genannt – enthielt, der den Ort des Petrusmartyriums markieren sollte und das von Gaius erwähnte Tropaion war. Die Archäologin Margherita Guarducci deutete Inschriften in der Mauer hinter dem Säulenmonument, darunter die Buchstabenfolge PETR… EN I, als Bezeichnung von Petrusreliquien, fand damit aber kaum wissenschaftliche Zustimmung. An anderen Ausgrabungsorten in Rom fanden sich ähnliche Graffiti, die dort ein Gedenken von Christen an Petrus und Paulus als Märtyrer belegen.[39]

BedeutungBearbeiten

Innerhalb des ChristentumsBearbeiten

Entwicklung des PetrusprimatsBearbeiten

Pietro Perugino: Christus übergibt Petrus den Schlüssel zum Himmelreich (Fresken in der Sixtinischen Kapelle, 1480–1482)

Nach römisch-katholischer Auffassung ist Petrus der Stellvertreter Christi und als erster Bischof von Rom Leiter aller Ortsbischöfe (episcopus episcoporum). Er besetze also ein einzigartiges, durch Christus verliehenes Führungsamt über alle übrigen Ortskirchen, das auch ein Richteramt und ein autoritatives Lehramt einschließe. Er habe diese Vollmacht allen seinen Nachfolgern weitergegeben, so dass jeder römische Bischof rechtmäßiger Vorsteher (Papst) der „universalen Kirche“ sei. Diese Auffassung beruft sich primär auf das „Felsenwort“ (Mt 16,18) und das „Schlüsselwort“ (Mt 16,19), in Bezug auf das Lehramt auch auf Lk 22,32 EU („stärke deine Brüder“) und Joh 21,15 ff. EU („weide meine Lämmer“).

Tertullian verstand Mt 16,18 um 220 als erster als Einsetzung in ein Bischofsamt, betonte aber, Jesus habe dieses nur Petrus persönlich gegeben, nicht allen Bischöfen oder dem Bischof Roms. Cyprian von Karthago (Über die Einheit der Kirche 4; vgl. 59. Brief) deutete den Vers um 250 als Einsetzung des Petrus zum Leiter der Kirche. Jeder Bischof, nicht nur der Roms, folge ihm in diesem Amt. Solche juristischen Deutungen blieben für Jahrhunderte seltene Ausnahmen.

Origenes und Ambrosius bezogen „dieser Felsen“ auf die angeredete Person und deuteten „Tore des Hades“ als Metapher für „Tod“. So werde Simon hier verheißen, dass er nicht vor Jesu Wiederkunft sterben werde. Dieser Deutung widersprach Hieronymus. Er bezog den Vers auf das Glaubensbekenntnis Petri, das die Kirche auch nach seinem Tod gegenüber feindlichen Mächten und Bedrängnissen, etwa Häresien, bis zu Jesu Wiederkunft vor dem Untergang schütze. Auch Johannes Chrysostomos (54. Homilie zu Matthäus, um 407) vertrat diese Deutung:

„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, d. h. auf den Glauben, den du bekannt hast.“

Auch Augustin von Hippo deutete die Zusage typologisch als Vorbildfunktion für alle Gläubigen, nicht als Vollmacht für ein erbliches Führungsamt.

Calixt I. erhob als erster römischer Bischof einen gesamtkirchlichen Führungsanspruch in einzelnen Streitfragen wie dem Osterdatum, ohne diesen mit dem Felsenwort zu begründen. Den Petrusprimat vertrat um 400 erstmals der römische Bischof Damasus I., nachdem kirchliche Bezirksaufsichtsämter (Metropolitanverfassung) entstanden waren.[40]

Petrus-Statue auf dem Petersplatz in Rom

Die vollständige Primatsidee, die auch die „Schlüsselgewalt“ (das höchste Richteramt im Christentum) und Lehrautorität umfasste, vertrat als erster Leo I. (440–461). Petrus war für ihn nicht nur princeps apostulorum (Apostelführer), sondern auch vicarius (Stellvertreter Christi) für die gesamte Kirche. Dies galt für ihn ebenso dem successor Petri, also allen folgenden römischen Bischöfen, die die Petrusprivilegien nach antikem Erbrecht so erbten, als seien sie mit dem Erblasser identisch. Dieser Anspruch setzte sich auch nach dieser theoretischen Entfaltung nur langsam im mittelalterlichen Christentum durch.[41]

Historisch gesehen ist der Petrusprimat aus der Idee der Apostolischen Sukzession hervorgegangen, die nicht mit spezifischen Bibelstellen, sondern mit kirchenhistorischen Gegebenheiten und altkirchlichen Bischofslisten wie der von Irenäus von Lyon (um 300) begründet wurde.

Während das Erste Vatikanische Konzil 1869–1870 den Petrusprimat noch um das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes ergänzte, hat das Zweite Vatikanische Konzil diesen Führungsanspruch zwar bestätigt, aber durch die Idee der Bischofskollegialität relativiert. So stellte der Codex Iuris Canonici 1983 fest:[42]

„Wie nach der Weisung des Herrn der heilige Petrus und die übrigen Apostel ein einziges Kollegium bilden, so sind in gleicher Weise der Papst als Nachfolger des Petrus und die Bischöfe als Nachfolger der Apostel untereinander verbunden.“

Reformatorische AuslegungBearbeiten

Die aus der Reformation hervorgegangenen evangelischen und anglikanischen Kirchen lehnen wie die orthodoxe Kirche die Lehre eines „Petrusamtes“ und damit den Führungsanspruch des Papstes und seiner Kirche ab.

Martin Luther widersprach dem Doppelanspruch des Papsttums auf ein höchstes kirchliches Richter- und Lehramt erstmals 1519 exegetisch und theologisch in einer eigenen Schrift.[43] 1520 wies er die römisch-katholische Auslegung von Mt 16,18 f. mit Bezug auf Joh 18,36 EU und Lk 17,20 f. EU erneut zurück:[44]

„Aus welchen Sprüchen klärlich jedermann versteht, dass das Reich Gottes (so nennet er [Jesus Christus] seine Christenheit) ist nit zu Rom, auch nit an Rom gebunden, weder hie noch da, sondern wo inwendig der Glaub ist.“

In Mt 18,18 und Joh 20,22 f. habe Christus die „Schlüsselgewalt“ zum Binden und Lösen der Sünden allen Jüngern zugesprochen und damit Mt 16,18 f. selbst so ausgelegt,

„… dass St. Petro an Statt der ganzen Gemein und nit für seine Person die Schlüssel geben sein.“

Die Schlüsselzusage begründe weder eine Sondervollmacht Petri noch eine Regierungsmacht der Apostel, sondern umfasse nur das Sakrament der Buße. Sie schenke allen gläubigen Sündern Christi Trost und Gnade, die sie einander weitergeben sollten. Auch Joh 21,15 ff. („Weide meine Lämmer“) begründe keine Herrschaft in der Christenheit, sondern beauftrage und ermutige mit Petrus alle Prediger, gegen alle Widerstände nur Christus allein zu verkünden. Dem müsse sich auch der Papst beugen. Mit seiner Anmaßung, das Petrusamt als Regierungs- und Lehramt zu deuten, stelle er sich über Gottes Wort, um es als Machtmittel zu missbrauchen. Menschen zu Ketzern zu erklären, nur weil sie dem Papst nicht gehorchten, sei gegen die Heilige Schrift gerichtet. Paulus selbst betone in 1Kor 3,11: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Petrus ist auch nach evangelischem Verständnis ein besonderer Jünger Jesu, aber nur als Ur- und Vorbild aller gläubigen Menschen, die trotz ihres Bekenntnisses zu Christus immer wieder versagen und trotz ihres Versagens von Gottes Zusage der gegenwärtigen Vergebung und zukünftigen Erlösung erhalten. Auch der Glaube ist nach evangelischem Verständnis keine Eigenleistung des Petrus, sondern reines Gnadengeschenk der stellvertretenden Fürbitte Jesu, des Gekreuzigten (Lk 22,31 EUff):

„Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dich einst bekehrst, so stärke deine Brüder.“

Dieses Gebet Jesu sei, so eine verbreitete evangelische Exegese, mit der Versöhnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern und der dadurch bewirkten Neukonstituierung des Jüngerkreises nach Ostern in Erfüllung gegangen. Die Kirche basiere daher nicht auf einer historischen Amtsnachfolge einzelner Petrusnachfolger. Sondern alle, die wie Petrus zu Jüngern Jesu werden, seien seine Nachfolger und damit Teil der Gemeinschaft, die Christus berufen habe, seine Zeugen zu sein. Gott sei in Christus allen Menschen gleich nahe, so dass außer Christus keine weiteren Mittler nötig und möglich seien. Dieses „Priestertum aller Gläubigen“ verbot für Luther jeden Rückfall in das seit dem stellvertretenden Sühnopfer des Gekreuzigten überwundene hierarchisch-sakrale, aus dem Tempelkult des Judentums stammende Amtsverständnis.

Besonders das Matthäusevangelium lasse keinen Zweifel daran, dass die christliche Gemeinde nur auf dem Glaubensgehorsam aller ihrer Mitglieder erbaut sein könne. Denn dort wird die Bergpredigt Jesu mit dem Zuspruch eröffnet (Mt 5,14 EU):

„Ihr seid das Licht der Welt!“

Sie endet mit dem Anspruch (Mt 7,24 EU):

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen petra baute.“

Demgemäß habe Petrus auch keine eigene Erstvision, sondern mit allen Jüngern gemeinsam den Auftrag des Auferstandenen erhalten, alle Getauften aus den Völkern das Befolgen der Gebote Jesu zu lehren: Die damit verbundene Zusage der Geistesgegenwart Christi sei der eigentliche „Fels“, auf dem die Kirche gebaut sei (Mt 28,19 f.). Das Wirken des Heiligen Geistes lasse sich nicht erneut in menschliche Formen und Rituale zwängen und „festnageln“.

So betont Manfred Kock für die Evangelische Kirche in Deutschland:[45]

„Die Zusprüche an Petrus in Matth. 16,17–19 und Joh 21, 15 ff. gelten der ganzen Kirche und sind in allen ihren Ämtern wirksam. Eine Hierarchie der Ämter, wie auch ein historischer Nachfolgeautomatismus findet sich in der Überlieferung der Heiligen Schrift nicht. Kriterium für die Christusnachfolge ist das Bekenntnis, wie es Petrus gesprochen hat, nicht aber Petrus selber als Bekenner.“

Darstellung über dem Haupteingang der Kirche St. Peter in Heidelberg-Kirchheim

GedenktageBearbeiten

Der Gedenktag von Petrus und Paulus ist der 29. Juni, und zwar für alle bedeutenden christlichen Kirchen wie die evangelischen, die anglikanischen, die römisch-katholische, die orthodoxen, die armenische oder die koptische. Petrus und Paulus zu Ehren ist in der orthodoxen Kirche ein leichtes Fasten, das sogenannte Apostelfasten, das eine Woche nach dem Pfingstfest beginnt und bis zu diesem Tag dauert, üblich.

Ein weiterer Gedenktag gilt dem oben erwähnten Christusbekenntnis des Petrus. Dieser Tag wird von verschiedenen christlichen Kirchen am 18. Januar begangen.[46]

Patronanzen, Schutzheiliger und AnrufungBearbeiten

Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron

Weltweit sind wie der Petersdom im Vatikan zahlreiche Orte (St. Peter) und Kirchen (Peterskirche) nach Petrus benannt. Des Weiteren wurde nach ihm, dem Namenspatron des damaligen Zaren Peter I., die neu gegründete Stadt St. Petersburg benannt.

Petrus ist auch Schutzheiliger der Berufe Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmied, Gießer, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer. Außerdem schützt er die Reuigen, Büßenden, Beichtenden, Jungfrauen und Schiffbrüchigen.

Katholische Gläubige rufen Petrus als Heiligen an gegen: Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl.

Petrus in Volksglauben und BrauchtumBearbeiten

Allgemein verbreitet ist, Petrus als den Türsteher des Himmels anzunehmen, das bezieht sich auf den biblischen Spruch der „Schlüssel zum Himmelreich“, die auch sein Heiligenattribut bilden: Mit seinen Schlüsseln wird er als Himmelpförtner vorgestellt, der die anklopfenden Seelen der Verstorbenen abweist oder einlässt.

Im Volksglauben wird er auch für das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht.

Ikonographie und HeiligenattributeBearbeiten

Schlüsselsymbol der Petrus-Figur an der Überwasserkirche Münster
Raffael (1516–1518): Transfiguration Christi, Vatikanische Pinakothek

Petrus wird gewöhnlich als alter Mann mit lockigem Haar und Bart (Erzvater) mit den Attributen Schlüssel, Schiff, Buch, Hahn oder umgedrehtem Kreuz dargestellt. Besonders der oder die Schlüssel Petri sind sein Hauptattribut; sie erscheinen häufig als heraldisches Symbol im Papstwappen, dem Wappen der Vatikanstadt wie auch zahlreicher kirchlicher Institutionen mit Petruspatrozinium (z. B. Erzbistum Bremen, Bistum Minden, Bistum Osnabrück, Erzstift Riga, Kloster Petershausen bei Konstanz, Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald) oder aus ihnen hervorgegangener Städte, Gemeinden oder Bundesländer (z. B. Bremen, Regensburg).[47]

In der Kirchenkunst wird Petrus oft als Papst dargestellt, der die dreifache Tiara auf seinem Haupt trägt, einen Kreuzstab in der einen Hand und ein aufgeschlagenes Evangelium mit der anderen Hand hält.

Außerhalb des ChristentumsBearbeiten

Im haitianischen Voodoo wird Simon Petrus in Gestalt des Loa Damballah verehrt; hierbei handelt es sich um einen Fall von Synkretismus.[48]

Petrus in der KunstBearbeiten

Verleugnung Jesu durch Petrus, Gemälde von Carl Bloch, 19. Jahrhundert

Die bedeutendsten Petrusdarstellungen der Renaissance, die den gotischen Typus aufgreifen, stammen wohl von Raffael, etwa links in der oberen Zone der Disputa (Fresko, 1509, Stanza della Segnatura, Palazzo Vaticano) und gleich zwei Mal in Raffaels Verklärung Christi (Transfiguration, 1516–1518, Pinacoteca Vaticana) in der Mitte unter dem Verklärten und breit im linken Eck der unteren Zone sitzend, hier aber nicht mit den Himmelsschlüsseln, sondern mit dem Buch des Lebens in der Hand. Auch die apokryphe Petrusapokalypse spielt in den Vorzeichnungen zu dem kürzlich von Gregor Bernhart-Königstein als Weltgericht erkannten letzten Gemälde Raffaels eine bedeutende Rolle.

Bekannte Abbildung:

Die Petruslegenden gingen im Katholizismus in die Verehrung des Heiligen ein und dienten immer wieder als Thema künstlerischer Werke. Bekannt geworden ist etwa die Verfilmung „Quo vadis?“ von 1951, die auf dem gleichnamigen Roman von 1895 beruht.

LiteraturBearbeiten

Grundwissen
Petrus im NT und Frühchristentum
  • Oscar Cullmann: Petrus. (1. Auflage 1952) TVZ Theologischer Verlag Zürich, 3. Auflage, Zürich 1985, ISBN 3-290-11095-8
  • Rudolf Pesch: Simon-Petrus. Geschichte und geschichtliche Bedeutung des ersten Jüngers Jesu Christi. Hiersemann, Stuttgart 1980, ISBN 3-7772-8012-7
  • Raymond E. Brown, Karl P. Donfried, John Reumann: Der Petrus der Bibel. Eine ökumenische Untersuchung. Calwer Verlag GmbH, 1982, ISBN 3-7668-0492-8
  • Carsten Peter Thiede (Hrsg.): Das Petrusbild in der neueren Forschung. Brockhaus, Wuppertal 1987, ISBN 3-417-29316-2
  • Peter Dschulnigg: Petrus im Neuen Testament. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1996, ISBN 3-460-33122-4
  • Lothar Wehr: Petrus und Paulus – Kontrahenten und Partner: die beiden Apostel im Spiegel des Neuen Testaments, der apostolischen Väter und früher Zeugnisse ihrer Verehrung. Neutestamentliche Abhandlungen, Aschendorff, Münster 1996, ISBN 3-402-04778-0
  • Wilhelm Lang: Die Petrus-Sage. Reinwaschungen und Legendenbildungen des frühen Judentums und Christentums. Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 1998, ISBN 978-3-928640-40-4
  • Timothy J. Wiarda: Peter in the Gospels: Pattern, Personality and Relationship. (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 2) Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147422-8 (englisch)
  • John P. Meier: A Marginal Jew: Rethinking the Historical Jesus. Bd. 3 (Companions and Competitors), New York 2001. S. 221–245.
  • Joachim Gnilka: Petrus und Rom: das Petrusbild in den ersten zwei Jahrhunderten. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2002, ISBN 3-451-27492-2
  • Martin Hengel: Der unterschätzte Petrus: zwei Studien. Mohr Siebeck, Tübingen 2006, ISBN 3-16-148895-4
  • Mathis Christian Holzbach: Die textpragmatische Bedeutung der Kündereinsetzungen des Simon Petrus und des Saulus Paulus im lukanischen Doppelwerk. In: Linus Hauser (Hrsg.): Jesus als Bote des Heils. Heilsverkündigung und Heilserfahrung in frühchristlicher Zeit. Detlev Dormeyer zum 65. Geburtstag. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2008, S. 166–172
  • Otto Zwierlein: Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse. Mit einer kritischen Edition der Martyrien des Petrus und Paulus auf neuer handschriftlicher Grundlage (= Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte 96). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009; 2., durchgesehene und ergänzte Auflage 2010, ISBN 3-11-024058-0
  • Otto Zwierlein: Kritisches zur Römischen Petrustradition und zur Datierung des Ersten Clemensbriefes, in: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 13 (2010), S. 87–157, online hier (PDF-Datei, 854 KB)
  • John P. Meier: Petrine Ministry in the New Testament and in the Early Patristic Traditions. In: James F. Puglisi et al.: How Can the Petrine Ministry be a Service to the Unity of the Universal Church? Cambridge 2010.
  • Otto Zwierlein: Petrus und Paulus in Jerusalem und Rom. Vom Neuen Testament zu den apokryphen Apostelakten. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-030341-4
Auslegung und Bedeutung
  • Peter Berglar: Petrus: vom Fischer zum Stellvertreter. (Geleitwort von Joseph Kardinal Ratzinger) Langen Müller, München 1991, ISBN 3-7844-2375-2 (römisch-katholisch)
  • Raul Niemann (Hrsg.): Petrus. Der Fels des Anstoßes. Kreuz Verlag, Stuttgart 1994
  • Helene Hoerni-Jung: Unbekannter Petrus: Schlüssel zum Menschsein. Kösel, München 1997, ISBN 3-466-36471-X
  • Christfried Böttrich: Petrus. Fischer, Fels und Funktionär. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01849-1
  • Johannes Brosseder, Wilm Sanders: Der Dienst des Petrus in der Kirche. Orthodoxe und reformatorische Anfragen an die katholische Theologie. Lembeck, 2002, ISBN 3-87476-414-1
  • John F. MacArthur: Petrus – Der Apostel mit dem voreiligen Mundwerk. In: John F. MacArthur: Zwölf ganz normale Menschen. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 20052; ISBN 3-89397-959-X, S. 43–75 (Text online, pdf (Version vom 20. September 2004 im Internet Archive))
  • Katja Wolff: Der erste Christ. WfB, Bad Schwartau 2005, ISBN 978-3-930730-03-2
Archäologie
  • Michael Hesemann: Der erste Papst. Archäologen auf der Spur des historischen Petrus. Pattloch, München 2003, ISBN 3-629-01665-0
  • Engelbert Kirschbaum: Die Gräber der Apostelfürsten St. Peter und St. Paul in Rom. Societäts-Verlag, 3. Auflage, Frankfurt am Main 1974 (Nachtragskapitel von Ernst Dassmann)
Kunst
  • Gregor Bernhart-Königstein: Raffaels Weltverklärung. Das berühmteste Gemälde der Welt. Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-085-3

WeblinksBearbeiten

 Commons: Simon Petrus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Quellen
Literatur
Grab

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Erhard Dorn: Der sündige Heilige in der Legende des Mittelalters. Fink, München 1967, S. 44.
  2. a b c d John P. Meier: Petrine Ministry in the New Testament and in the Early Patristic Traditions. In: James F. Puglisi et al.: How Can the Petrine Ministry be a Service to the Unity of the Universal Church? Cambridge 2010. S. 17 f.
  3. Hans Ulrich Weidemann: Fischer, Felsen, Frontmann: Simon Petrus in der Urkirche. (PDF; 381 kB) In: Petrus. Wo Gott ist, da ist Zukunft. Erschienen in der Reihe: Themen im Religionsunterricht – Sekundarstufe I + II, herausgegeben vom Institut für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg, Heft 3, 2011, S. 8–15; hier: S. 9.
  4. a b Marcus Jastrow: Dictionary of Targumim, Talmud and Midrashic Literature. New York 1926, S. 634 (2. Sp. unten): Artt. hebr. כֵּיף , כֵּף u. aram. כֵּיף , כֵּיפָא.
  5. a b Robert Payne Smith: Thesaurus Syriacus. Bd. I, Oxford 1879, Sp. 1663: Art. ܟܻܦ , ܟܻܦܳܐ .
  6. a b c Rudolf Pesch: Simon Petrus. Geschichte und geschichtliche Bedeutung des ersten Jüngers Jesu Christi. Hiersemann, Stuttgart 1980. S. 25–34.
  7. Erich Dinkler: Petrus, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Auflage 1961, Band 5, S. 247 ff
  8. Peter Dschulnigg: Petrus im Neuen Testament. Stuttgart 1996.
  9. Joachim Gnilka: Petrus und Rom. Das Petrusbild in den ersten zwei Jahrhunderten. Freiburg 2002.
  10. Martin Hengel: Der unterschätzte Petrus. Zwei Studien. Tübingen 2006.
  11. Der katholische Theologe Hans Ulrich Weidemann aus Siegen nennt dies in seinem vorzitierten Aufsatz (PDF; 381 kB) im Anschluss an die h. M. der Forschung „ein unbestreitbares Faktum“ (S. 11). John P. Meier (A Marginal Jew. Bd. 3, S. 224–226) hält es nach seiner Untersuchung der Überlieferung in den Evangelien für sehr wahrscheinlich, allerdings nicht nachweisbar.
  12. A Marginal Jew. Bd. 3, S. 226
  13. Otto Böcher: Petrus I, in: Theologische Realenzyklopädie, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 268.
  14. Reinhold Mayer, Inken Rühle: War Jesus der Messias? Geschichte der Messiasse Israels in drei Jahrtausenden. Tübingen 1998. S. 60.
  15. Gerd Theißen, Anette Merz: Der Historische Jesus; Göttingen 2005; S. 160 f.; Stanislao Loffreda, Virgilio Corbo: La maison de Pierre révélée par les fouilles, 1982; James F. Strange, Hershel Shanks: Das Haus des Petrus, in: Carsten Peter Thiede (Hrsg.): Das Petrusbild der neueren Forschung, Wuppertal 1987
  16. Anders Runesson, Architecture, Conflict, and Identity Formation, in: J. Zangenberg, H. W. Attridge, D. B. Martin, Religion, Ethnicity and Identity in Ancient Galilee, Tübingen 2007 = WUNT 210, S. 240–242
  17. Fritz Rienecker: Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament. Gießen 1970, S. 43
  18. Dies nahm (entgegen der heute h. M., wie sie etwa U. Luz repräsentiert) z. B. Karl Adam an (Das Wesen des Katholizismus. 11. Auflage 1946, S. 106 ff.). Das Logion beruhe auf einem ursprünglich aram. Wortspiel mit dem Namen Kephas. Erst in der griechischen Adaption sei es aus sprachlichen Gründen nötig geworden, versch. Wörter (Pétros und pétra) zu verwenden.
  19. K. L. Schmidt: Artikel Kaleo, in: G. Kittel (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Band III, Stuttgart 1938, Sp. 529 ff.
  20. Hans Conzelmann: Geschichte des Urchristentums, S. 136
  21. Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus, 2. Teilband, Mt 8–17. Evangelisch-katholischer Kommentar zum NT, Benziger, 4. Auflage 2007, ISBN 3-545-23137-2, S. 458
  22. Otto Böcher: Petrus I, in: Theologische Realenzyklopädie, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 269
  23. Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 110
  24. C. H. Hunzinger: Babylon als Deckname für Rom und die Datierung des 1. Petrusbriefes, in: H. Graf Reventlow (Hrsg.): Festschrift für H.-W. Herzberg, Göttingen 1965, S. 67–77
  25. Liste nach Karlfried Froehlich: Petrus II, in: Theologische Realenzyklopädie, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 274; Originaltexte, soweit bekannt, in: Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, Mohr & Siebeck, 6. Auflage, Tübingen 1999, ISBN 3-16-147252-7
  26. Christfried Böttrich: Petrus, Fischer, Fels und Funktionär, Leipzig 2001, S. 25 f.
  27. Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 117
  28. Stanislas Dockx, Chronologie zum Leben des Heiligen Petrus, in: Carsten Peter Thiede: Das Petrusbild in der neueren Forschung, 1987, S. 101
  29. Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 111, Anmerkung 6
  30. Adversus Haereses III
  31. Kurt Dietrich Schmidt: Grundriß der Kirchengeschichte; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 19909; S. 77
  32. Karl Heussi: Die römische Petrustradition in kritischer Sicht, Tübingen 1955
  33. Kurt Aland: Der Tod des Petrus in Rom. Bemerkungen zu seiner Bestreitung durch Karl Heussi, in: Kurt Aland: Kirchengeschichtliche Entwürfe, Gütersloh 1955, S. 35–104
  34. Uta Ranke-Heinemann: Petrus in Rom? In: Raul Niemann: Petrus. Fels des Anstoßes, Stuttgart 1994, S. 62–75
  35. Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 114
  36. Otto Zwierlein: Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse. Mit einer kritischen Edition der Martyrien des Petrus und Paulus auf neuer handschriftlicher Grundlage. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage 2010; Otto Zwierlein: Kritisches zur Römischen Petrustradition und zur Datierung des Ersten Clemensbriefes, in: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 13, 2010, S. 87–157. PDF; Diskussion: Christian Gnilka, Stefan Heid, Rainer Riesner: Blutzeuge. Tod und Grab des Petrus in Rom. Schnell & Steiner, Regensburg 2010; Otto Zwierlein: Petrus und Paulus in Jerusalem und Rom. Vom Neuen Testament zu den apokryphen Apostelakten; De Gruyter, Berlin, 2013; kurze Zusammenfassung der bisherigen Debatte und wichtiger Argumente: Petrus in Rom. Interview mit Otto Zwierlein (2013) PDF
  37. zitiert nach Christfried Böttrich: Petrus, Fischer, Fels und Funktionär, Leipzig 2001, S. 228 f.
  38. Erich Dinkler: Petrus und Paulus in Rom. Die literarische und archäologische Frage nach den tropaia ton apostolon. Gym. 1980, S. 1–37
  39. Christfried Böttrich: Petrus, Fischer, Fels und Funktionär, Leipzig 2001, S. 232 ff.
  40. Heinz Ohlig: Das Papstamt und seine Geschichte. Ist der römische Bischof Nachfolger des Petrus? (2005) (Version vom 8. Juli 2007 im Internet Archive)
  41. Kurt Dietrich Schmidt: Kirchengeschichte, 9. Auflage, Göttingen 1990, S. 138
  42. CIC, Can. 330
  43. Martin Luther: Resolution Lutherana super propositione sua decima tertia de potestate papae, Weimarer Ausgabe II, S. 183–240
  44. Martin Luther: Von dem Papsttum zu Rom (1520), Weimarer Ausgabe VI, S. 292 ff
  45. Manfred Kock: Das Papstamt aus evangelischer Perspektive (Vortrag am 4. September 2001, Karl-Rahner-Akademie zu Köln)
  46. 18. Januar im Ökumenischen Heiligenlexikon
  47. Zu weiteren Beispielen vgl. Ottfried Neubecker, Wilhelm Rentzmann: Wappenbilderlexikon. Battenberg, München 1974, Stichwortverzeichnis S. 401, Sp. 3 unter Stichwort Schlüssel.
  48. Webster University: Descriptions of Various Loa of Voodoo, 1990
Vorgänger Amt Nachfolger
Jesus von Nazareth Bischof von Antiochia
ca. 45-53
Euodius von Antiochien
Vorgänger Amt Nachfolger
Bischof von Rom
(Die Bezeichnung Papst wurde erstmals 384 verwendet)

um 33–67
Linus
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Dieser Artikel wurde am 19. April 2004 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.







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