Wirtschaftswissenschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Wirtschaftswissenschaften)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Wirtschaftswissenschaft (auch Ökonomik aus griechisch οἶκος, oíkos „Haus”; νόμος, nomos „Gesetz” und dem Suffix -ική) ist die Lehre von der Wirtschaft (Ökonomie). Die Wirtschaftswissenschaft untersucht den rationalen Umgang mit Gütern, die nur beschränkt verfügbar sind.[1]

InhalteBearbeiten

Im deutschen Sprachraum wird die Wirtschaftswissenschaft üblicherweise in die Bereiche Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Volkswirtschaftslehre (VWL, Nationalökonomie) unterteilt.[1] Die zugehörige Berufsbezeichnung ist Wirtschaftswissenschaftler (Ökonom).

Die Volkswirtschaftslehre untersucht grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten in einer Gesellschaft, sowohl in Bezug auf einzelne wirtschaftende Einheiten (Mikroökonomie) als auch gesamtwirtschaftlich (Makroökonomie). Die Betriebswirtschaftslehre befasst sich mit den wirtschaftlichen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten einzelner Unternehmen und liefert Erkenntnisse für betriebliche Strukturen und Prozesse.

Um wirtschaftstheoretische Modelle empirisch zu überprüfen und ökonomische Phänomene quantitativ zu analysieren, werden ökonometrische Methoden eingesetzt.

Zur Wirtschaftswissenschaft im weiteren Sinne zählen auch interdisziplinäre Bereiche wie

Die Wirtschaftswissenschaft zählt zu den Sozialwissenschaften. Wirtschaftswissenschaftliche Aspekte werden auch in anderen sozialwissenschaftlichen Bereichen untersucht.

Historische EntwicklungBearbeiten

VolkswirtschaftBearbeiten

Die großen Denker der Antike und des Mittelalters gelten als Ahnherren der Wirtschaftswissenschaft. Joseph Schumpeter schrieb in seiner History of Economic Analysis die Entwicklung der wissenschaftlichen Untersuchung ökonomischer Zusammenhänge bereits den Spätscholastikern (im 14. und 15. Jahrhundert) zu. Allerdings unterschied sich die alteuropäische Ökonomik in ihrer Grundkonzeption stark von der heutigen Sichtweise. Nikolaus Kopernikus beschäftigte sich in der Folge der Inflation der Bauernkriegszeit mit Geldtheorie. Als „frühmoderne” (auch „vorklassische”) Ökonomen werden die Merkantilisten und die Physiokraten eingeordnet.

Als Geburtsstunde der Wirtschaftswissenschaft in der heute verstandenen Form als Forschungsdisziplin mit eigenständigen Theoriegebilden wird häufig das Jahr 1758 genannt, in welchem der französische Arzt Francois Quesnay sein Hauptwerk „Tableau économique” veröffentlichte. Der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 64-jährige Gelehrte verstand die Abhängigkeiten von Geld- und Güterströmen als Kreislauf.

Auch der Schotte Adam Smith wird als Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft angesehen. Er veröffentlichte 1776 sein Buch An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations und kritisierte dort den bis dahin zumeist vorherrschenden Merkantilismus. Sein weitverbreitetes Werk fand in Großbritannien und den USA große Anerkennung und vermittelte erstmals die Idee einer neuen Wissenschaftsrichtung zur Untersuchung des wirtschaftlichen Handelns.

Seit David Ricardos Schrift Principles of Political Economy and Taxation[2] setzte sich die „deduktive Methode” mit quantitativer Betrachtung durch. Mit Verbreitung dieser Methode wurden die sozialen Rahmenbedingungen zunehmend aus der Untersuchung der Politischen Ökonomie eliminiert; es setzte sich zunächst ein rein logisch-mathematisches Verständnis der Marktverhältnisse durch (Volkswirtschaftslehre als Naturwissenschaft).

Unter dem Eindruck der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entwickelten Karl Marx und Friedrich Engels die Marxistische Wirtschaftstheorie.

Die Klassische Nationalökonomie wurde, beginnend gegen Ende des 19. Jahrhunderts, abgelöst durch die Neoklassische Theorie, die die moderne Volkswirtschaftslehre bis heute prägt.

Über mehrere Jahrzehnte – bis in die 60er/70er Jahre des 20. Jahrhunderts – dominierten allerdings die Veröffentlichungen von John Maynard Keynes die Diskussion.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewinnen zunehmend die an Smith anknüpfenden Ideen des wirtschaftlichen Liberalismus Verbreitung. Als einer der bedeutendsten Ökonomen dieser Richtung gilt Milton Friedman.

BetriebswirtschaftBearbeiten

Die Betriebswirtschaftslehre als reines Beschreiben von Tätigkeiten und deren Zwecken in einzelnen Unternehmen begann schon im 15. Jahrhundert in Italien. Dort wurde zu der Zeit auch beispielsweise als Technik der BWL die doppelte Buchführung entwickelt und veröffentlicht. Nach einer Zeit des Niederganges der Betriebswirtschaftslehre und der Verdrängung durch die Volkswirtschaftslehre nahm ihre Bedeutung seit Beginn des 20. Jahrhunderts wieder zu.

Siehe auchBearbeiten

 Portal: Wirtschaft – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wirtschaft

LiteraturBearbeiten

  • Karl Eman Pribram: Geschichte des ökonomischen Denkens. Übersetzung der Originalausgabe A History of Economic Reasoning. Erster und zweiter Band. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1998, ISBN 3-518-28956-X.
  • Joachim Starbatty (Hrsg.): Klassiker des ökonomischen Denkens: Von Platon bis John Maynard Keynes. Teil 1 und 2 in einer Gesamtausgabe. Hamburg 2008, ISBN 978-3-937872-92-6.
  • Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (1776).

WeblinksBearbeiten

 Commons: Economics – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b http://www.uni-marburg.de/fb02/studium/studgang/studinteressierte/studium_allg/wiwi
  2. http://socserv2.socsci.mcmaster.ca/econ/ugcm/3ll3/ricardo/prin/index.html







Creative Commons License